tom's networking guide
 
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Heinz wird grob

07. 08. 2004
Dipl.-Ing. Heinz Kreft
Tom's Networking Guide

UMTS-Nachfolger WiMAX

Der Springer in den Frequenzbändern ? Eine Unterhaltung

Nach WLAN geht es nun an die Vernetzung von 7.1-Surround-Sound, Echtzeitfähigkeit und natürlich wieder um mehr Bandbreite. Doch der neue Standard WiMAX treibt den staatlichen Regulierern die Zornesröte ins Gesicht.
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WiMAX oder Wo ist MAX?

[...Preludo]

01. Juni 2004, solares System, Planet Erde, Deutschland, München, in einem Büro irgendwo für Hard- und Software Engineering & IT-Consulting für interkommunikative Standards. Wir hören eine informelle private Unterhaltung zwischen den beiden Experten Max und Erwin während einer Zigarettenpause:

[Gespäch]

Max: WiMAX IEEE802.16 ist verabschiedet.

Erwin: Wer ist tot?

Max: Das Netz der Zukunft mit dem Namen ?Worldwide Interoperability for Microwave Access" ist besser als heutiges WLAN, weil mehr Datenrate und Reichweite überbrückt werden können als mit heutigen Verfahren.

Erwin: Ach nee, etwa so wie beim 11 und 54 MBit/s Standard im 2,4 GHz Bereich?

Max: Naja, eigentlich viel besser. [Anmerkung des allwissenden Beobachters: Tatsächlich gibt es Betriebsszenarien, in denen der IEEE802.11b Standard (11 MBit/s brutto Datenrate) real mehr Daten über größere Entfernungen transportiert, als dies der IEEE802.11g Standard vermag. Diese scheinbare ?Umkehrung" von Reichweite und Datendurchsatz hat vornehmlich etwas mit der Kompatibilität des g- mit dem b-Standard zu tun, wenn ein gemischter Betrieb realisiert werden muss.]

Max: Rein technisch wird der Standard WiMAX IEEE802.16 zunächst in unterschiedliche Substandards unterteilt. Die beiden wichtigsten sind Wimax IEEE802.16a (er nimmt sich der sogenannten ?unteren Frequenzen" zwischen 2 und 11 GHz an) sowie Wimax IEEE802.16 ? ganz ohne Zusatzbuchstaben, (zuständig für den Bereich 10 bis 66 GHz). Dann gibt es da noch den IEEE802.16c Zusatz, der sich vor allem mit Test Verfahren und Fragen der Protokollimplementierung befasst ? eigentlich nur etwas für Entwickler von WiMAX Hard- und Softwarekomponenten. Und es gibt noch mehr, aber diesen Rest vergessen wir mal an dieser Stelle, da er nicht sooo wichtig ist.

Max: So so, 2 bis 11 GHz kann ich mir grade noch vorstellen, aber 10 bis 66 GHz? Ist das nicht in einem Bereich weit oberhalb von meiner Küchenmikrowelle?

Erwin: Stimmt, in Deiner Küche brät Dir Deine Mikrowelle so ´nen Teil mit 2,445 GHz die Frühstücksgrilltomate bis kurz vor dem Zerplatzen in sehr kurzer Zeit. Ein anders Beispiel bieten hier militärische Radarsysteme mit Frequenzen im X-Band (so um die 10 GHz) rauf bis zum KA-Band (so bei 35 GHz) ? welches gut und gern von den Grün-Weiss-Gestreiften für vierrädrige Tiefflieger verwendet wird.

Max: (lacht) Jau, mich ham se letzte Woche auch mit 200 an der Autobahnbaustelle bei Neuruppin geblitzt. Aber wozu soll den WiMAX überhaupt gut sein und für wen?

Erwin: Die Netzprovider suchen ständig neue Biz Cases. Einer davon ist BWA (steht für Broadband Wireless Access), und der kommt immer dann ins Spiel, wenn die Distanz zwischen den Zielkunden und der Vermittlungsstelle zu groß wird. Dieses Spiel spielt die Branche schon viele Jahre, ist für die nix Neues. Im Augenblick ist halt WiMAX als BWA-Vertreter-Hipe.

Max: Und wann kommt dann die ?Consumer-Elektronic-WMAN-Einsteckkarte" für meinen Notebook mit einer Reichweite von 50 Km und einer Datenrate von 280 MBit/s?

Erwin: Nie. Erstens ist nur der kleinste Teil der angedachten Frequenzen unlizenziert nutzbar, für den Rest werden Abgaben fällig (UMTS läst grüßen) und zweites sind bei derart hohen Frequenzen (siehe auch Diagramm zur Dämpfung der Atmosphere) satte Leistungen erforderlich, die Deinem Akku innerhalb weniger Minuten die vollständige Lebenskraft aussaugen...

Max: Da gab es doch früher schon einmal eine von der ETSI entwickelte Technologie, die hieß Heiperdaddel oder so ähnlich.

Erwin: Meinst Du vielleicht HiperMAN?

Max: Ja genau.

Erwin: Im Prinzip ist es das tatsächlich. Auch damals (im Jahre 2000) schon sollte HiperMAN den Endkunden direkt mit drahtlosen Daten versorgen und gleichzeitig einen drahtlosen Backbone für WLANs bilden. Auch HiperMAN war bereits recht gut spezifiziert und wurde vor allem für die Point-to-Point (RiFu) sowie für Point-to-Multipoint-Verbindungen spezifiziert.

Max: Richtig, doch dann kam UMTS (G3).

Erwin: Oh weh.

Max: Genau. Ist also dann WiMAX der High-Speed-Nachfolger von UMTS?

Erwin: Aus technischer Sicht schon, jedoch sprechen viele Gründe dagegen. Zunächst einmal dürften die Netzbetreiber ein max. Interesse daran haben, dass UMTS Gewinne einspielt, bevor man sich auf neue Abenteuer einlässt. Und ´n WiMAX-Handy hat auch noch keiner gesehen.

Max: Du hältst also nix vom WiMAX-Hype?

Erwin: Es wird viel geschrieben, schaun wir mal. Die allermeisten Anwender warten noch heute auf das Einlösen von Versprechungen seitens der WLAN Hersteller in Bezug auf 802.11i (funktionierende Security direkt in Hardware anstatt Flickwerk wie WPA in Software) und die Konsolidierung aller bislang existierender WLAN Standards im IEEE802.11n. Auch wäre ein fertiger Standard bezüglich der Dienstgüte (QoS) und die so genannten Medium Access Methods Enhancements IEEE802.11e VIEL WICHTIGER als ständig das ?Meiner ist länger"-Gelaber.

Max: Also mal wieder eine Neuauflage in Sachen User-Veräppelung.

Erwin: Könnte der Fall sein. Für eigene Nachforschungen empfehlt sich das WiMAX-Forum mit vielen Infos und Grafiken.

www.eduspace.eurisy.org/eduspace/subtopic/images/07-atmosvindue.gif

www.wimaxforum.org/news/events/wimax_day_agenda/Gordon_Member_IEEE_802.16.pdf

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