tom's networking guide
 
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22. 12. 2011
Dr. Gert Latzel
Tom's Networking Guide

LED-Lampen - ökologisch und ökonomisch sinnvoll

Es werde LED

Das EU-Verbot der Glühlampen ist eine der umstrittensten Entscheidungen der letzten Zeit. Die als Ersatz angepriesenen Energiesparlampen sind zunehmend umstritten und die öffentliche Meinung geht nach wie vor davon aus, dass der eigentliche sinnvolle Nachfolger der Glühlampe, die LED, noch nicht ausgereift genug ist und zu teuer. Der Autor hält hier gegen und führt ein leidenschaftliches Plädoyer für die LED.
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Vorbehalte gegenüber LED

Inzwischen sind LED (Light Emitting Diode) überall als zukunftsweisender Lampenersatz im Gespräch; dennoch hat die LED-Technologie bei der Raumbeleuchtung noch nicht den entscheidenden Durchbruch geschafft. Welche Probleme verhindern bei einer Ersatzbeschaffung in den verschiedenen Verkaufsportalen den gezielten Griff der Kunden nach der LED-Version?

Eine große Hemmschwelle ist zuerst der hohe Anschaffungspreis im Vergleich zur herkömmlichen Glühlampe oder zu den schon länger eingeführten Energiesparlampen auf Leuchtstoffröhrenbasis (z.B. DULUX-Lampen in den verschiedensten Ausführungen und Fassungsversionen). Leider kennen viele Kunden den Unterschied zwischen den herkömmlichen Energiesparlampen und den LED-Lampen nicht genug. Die meistgenannten Argumente gegen LED-Lampen:

  • Viele LED-Lampen strahlen ein kaltes weißes Licht ab.
  • Ihre Helligkeit in Lumen angegeben sei noch nicht ausreichend.
  • Außerdem passen sie oft nicht in die vorhandenen Leuchten, da sie teilweise wegen der großen Kühlkörper sehr voluminös gebaut sind.
  • Sie seien nicht dimmbar, was sich durch ein Flackern oder Brummen bemerkbar machen kann.

Alle Argumente lassen sich leicht nachvollziehen, informiert man sich nur in den großen Baumärkten oder den normalen Elektro-Fachgeschäften. So erscheinen die Preise der Lampen, die den heute besten Stand der Technik repräsentieren, abschreckend hoch. Man ist die Preise der Glühlampen (1 bis 2 Euro) gewohnt und nun sollen für einen adäquaten Ersatz über 60 Euro gezahlt werden.

Meist bekommt man in diesen Geschäften aus Preisgründen gar nicht den adäquaten Ersatz, sondern die Produkte, die vor Jahren Stand der Technik waren; diese bieten aber in der Tat zu wenig Helligkeit und sind noch zu schlecht an unsere Wahrnehmungs-Gewohnheiten angepasst. Dazu kann sich jeder in seinem Umfeld einen Überblick verschaffen. Einen genaueren Überblick über die vorhandenen Leuchtstärken und das entsprechende Preisgefüge kann man sich derzeit nur im Internet erschließen. Dabei besteht allerdings das Risiko, dass man ohne Vorerfahrungen kaum die wahre Qualität der Produkte richtig beurteilen kann.

Grundsätzlich sind bei LED-Lampen unterschiedliche Lichtfarben möglich. Diese drei Diagramme charakterisieren die gebräuchlichsten Lichtfarben (Warmweiss, Neutralweiss und Weiss). Ihre Farbtemperatur wird in Kelvin (K) angegeben. Der Nullpunkt der Kelvinskala ist der absolute Nullpunkt, wo praktisch jegliche Teilchenbewegung ruht. LED-Lampen erlauben auch Lichtfarben, bei denen die normalen Glühlampen kaputt gehen würden (z.B. Tageslichtweiss).

Der Autor konnte sich inzwischen einen guten Überblick über die am Markt befindlichen LED-Produkte machen und behauptet, dass auf fast allen Gebieten der Leuchten passende LED-Lampen bereitstehen, wenn man grundsätzlich den Mut zu LED hat.

So kann man heute bei vielen Lampentypen zwischen folgenden drei Farbtemperaturen wählen, die bei gleicher Wattangabe sehr ähnliche Lumenzahlen aufweisen:

Warmweiß

Glühlampenähnlich
(2.700 K bis 3.000 K)

Neutralweiß

etwas weißer
(ca. 4.000 K)

Weiß

kaltes, weißes Licht, meist für Büros und Arbeitsräume geeignet
(ca. 6.000 K)

Die Helligkeit der LED-Lampen für die gängigen Fassungen wie E27 oder E14 ist für die meisten Anwendungsgebiete völlig ausreichend. Die Reduzierung der Größe und die Dimmbarkeit sind inzwischen bei neuen Modellen verwirklicht. Hier ist jedoch die Packungsaufschrift zu beachten.

Die Lampenbranche hat es bisher versäumt, diese Vorbehalte wirklich auszuräumen. So standen zwar in der Regel die Wattzahlen der angebotenen LED-Lampen auf der Packung, aber nur selten wurde genau vermittelt, welcher Glühlampen-Lichtstärke die vorliegende Lampe entspricht. Dass sich überzeugte LED-Anbieter inzwischen bemühen, ihre Produkte ausreichend zu kennzeichnen, zeigt die derzeit lichtstärkste LED-Lampe mit E 27-Fassung von der Firma DEL-KO. Ob dies allgemeiner Kennzeichnungs-Standard werden wird, muss sich erst noch herausstellen, es ist aber zu erwarten.

Fortschrittliche Kennzeichnung einer LED-Lampe mit dem Energielabel (hier Effizienzklasse A, wie bei allen LED-Lampen).

Lampen dieser Lichtstärke (ca. 750 lm) mit 2 Jahren Garantie findet man in den Bau- und Elektromärkten in der Regel nicht und auch nicht in der Preisklasse von 40 Euro wie bei DEL-KO. Dieser Preis wird den Laien aber immer noch irritieren, da er bisher gewohnt war, seinen Glühlampenersatz für 1 bis 2 Euro nachzukaufen. Dass dieser Vorbehalt aber sowohl aus ökonomischer wie auch aus ökologischer Sichtweise unberechtigt besteht, soll im folgenden Absatz genauer erläutert werden.

Osram kommt am Anfang 2012 mit der Parathom Pro Classic A75 Advanced auf den Markt (14 W/1055 lm/ca. 50 Euro/30.000 h Brenndauer). Es bewegt sich also etwas! Diese Lampe soll sogar einen nahezu Rundum-Abstrahlwinkel erreichen (340°). Diese Eigenschaft sollen auch die Parathom-Lampen mit niedrigeren Wattagen erhalten. Damit wird nun erstmals bei den birnenförmigen Lampen ein Nachteil beseitigt, den der Autor bei der etwa zwei Jahre zurückliegenden Beurteilung von LED-Lampen der Firma Sharp beanstandet hatte. Sharp ist aber momentan in Europa auf diesem Gebiet nicht aktiv tätig.

Leserkommentar

Hans-Jürgen, 29-08-14 13:21:
Dieser Artikel ist ebenfalls Lobbyismus, denn es fehlen zwei relevante Angaben: Farbwiedergabequalität und Lichtmenge bezogen auf die Leistung (lumen/Watt).

Eine herkömmliche Leuchtstoffröhre in Langform (18/36/58 W, als Beispiele) hat in den energieeffizienten Lichtfarben mit den Nummern 8xx eine Energieausbeute von über 100 lumen pro Watt, woran die LED-Technik erst noch kratzt

Anders sieht es bei Kompaktleuchtstofflampen aus - die Dinger für E27 und E14. Hier ist die Effizienz deutlich schlechter, nur etwa die Hälfte (ca. 50 lumen pro Watt).

Dazu kommt die Farbwiedergabequalität. Fast alle modernen Lampentechniken sind verrufen wegen "schlechter Farben", aber niemand erklärt es der Allgemeinheit. Es kommt nicht alleine auf die "Gelbheit" des Lichts an, wie es die Hersteller mittlerweile übertreiben mit den LIchtfarben 827 und 825. Es kommt darauf an, daß viele verschieden Spektralanteile drin sind, möglichst stetig! Tageslicht hat eine Farbwiedergabe von 100 % (Ra=100) und eine wechselnde Farbtemperatur von etwa 5000 (weiß) bis 12000 K (extremes Blau bei wolkigem Himmel / indirektem Licht).

Hochwertige, farboptimierte Leuchtstofflampen, erkennbar an den Farbnummern 9xx, erreichen zwischen 90 und 100 % Farbqualität - die 9 steht für >= 90 Prozent.

Energieoptimierte Lampen erreichen 80-90 % und dind erkennbar an den Nummern 8xx.

Die LED-Technik erreicht in üblichen Produkten MAXIMAL zwischen 80 und 89 Prozent, viele am Markt befindliche Produkte liegen weit darunter.

Dann noch die Lichtfarbei: bei Leuchtstofflampen sind das die beiden hinteren Ziffern der dreistelligen Nummer. Die stehen für die ersten beiden Zahlen der Farbtemperatur in Kelvin.

Damit ergibt sich z.B.

840 - energieoptimiert, "neutralweiß" (zwischen Glüh- und Tageslicht)

940 - farboptimiert, neutralweiß (4000 K)

950 - farboptimiert, mittleres Tageslichtweiß (5000 K)

960/965 - farboptimiert, gleißendes Tageslichtweiß (6000-6500 K)

930 farboptimiert, warmweiß (3000 K, wie Halogenlicht etwa)

usw.
Jedermann, 16-01-14 09:43:
Wichtiger Artikel. Nur hängt die ganze Kosten-/Energie-effizienzrechnung davon ab, wie lange die LEDs wirklich leben. Die Elektroniik geht i.d.R. schneller kaputt wie die Leuchtdioden. Und nicht immer sind die LEDs gleich hell trotz gleicher Angaben, wie eine Glühbirne. Auch EMV-technisch strahlen LEDs eine Überdosis aus. All die Fehler wurden schon mit der Energiesparlampe gemacht. Der Kunde glaubte, zahlte nd die Umwelt verlor. In den ersten Jahren wird das wohl mit den LEDs nicht anders sein.
Gert, 26-06-13 16:30:
Hallo niemand,
Ihre Bedenken sind nur dann berechtigt, wenn man Billigartikel irgendwo kauft. Als LED-Berater gehe ich sehr individuell auf die Ansprüche meiner Kunden ein und kann bisher bestätigen, dass die Preise für LED-Lampen eher gesunken sind. Man muss berücksichtigen, dass bei vollständiger Umrüstung ein Kunde sehr lange keinen Neubedarf hat. Dies ist Realität, aber mir geht es darum, dass wir möglichst alle sehr viel Strom einsparen, um bei der inzwischen teurer werdenden Beleuchtungsrechnung massiv sparen zu können. Mit diesem Ziel bin ich eingestiegen und möchte Kunden zu überzeugten Umweltschützern machen. Gert Latzel
niemand, 04-04-13 12:59:
Der artikel ist gut und schön. Was die LED aber erst noch beweisen muss, ist ob diese wirklich 30K bzw. 50K stunden halten.
Selbst wenn diese nur 2200h halten (2h/Tag*3Jahre), dann ist die garantie um und es muss ein (recht teurer) kostenpflichtiger Ersatz her. Da ist dann nicht mehr viel erspartes vorhanden, eher im gegenteil.
Hartmut, 15-01-12 17:09:
Ein sehr interessanter Artikel, der auch meine bisherige Meinung voll bestätigt. Leider sind die Verkäufer in den Baumärkten z.Teil noch nicht auf diesem Informationsstand und man sieht vielfach noch Personen, die herkömmliche Glühlampen in größeren Mengen als Reserve kaufen.
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