tom's networking guide
 
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10. 12. 2012
Dr. Gert Latzel
Tom's Networking Guide

Passwort vergessen? Dumm gelaufen!

Kontensicherung durch Passwörter

Im digitalen Leben kommen wir kaum mehr ohne sie aus: Passwörter. Sie begleiten uns am PC, am Smartphone und nicht zuletzt am Geldautomaten der Hausbank. Ohne die richtige PIN sind wir aufgeschmissen und stehen im schlimmsten Fall das Wochenende über ohne Bargeld da. Zum Verhungern reicht das für uns noch nicht, aber als kleines Küken, das nur mit dem richtigen Pfeif-Code an Futter kommt sieht die Situation schon kritischer aus. Neue Forschungen haben gezwitscherte Passwörter bei einer australischen Vogelart entdeckt.
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Passwörter sind keine Erfindung des Technikzeitalters

Vielleicht ist es Ihnen schon einmal passiert, dass Sie vor einem Bankautomaten gestanden sind und trotz ausreichenden Guthabens dem Automaten kein Geld entlocken konnten, da Sie die Persönliche Identifikationsnummer (PIN), das Passwort für ihr Konto, vergessen hatten. Peinlich, wenn man dann ohne Geld dasteht. Manch einer ärgert sich in dieser Situation dann über das moderne Banksystem, obwohl dies wenig dafür kann.

Passwort-Twitter

Was Menschen hilft, ihre Bankkonten vor unbefugtem Zugriff zu schützen, hilft Vögeln dabei, den eigenen Nachwuchs von dem anderer Eltern zu unterscheiden: Passphrases ? gezwitschert, nicht getippt. So nimmt die Natur mit ihren Mitteln schon lange vorweg, was der Mensch im Informationszeitalter erst technisch nachzubilden wusste. Jüngste Forschungen haben ergeben, dass eine Australische Sängerart, die unserem Zaunkönig ähnlich sieht, aber nicht direkt mit ihnen verwandt ist, das Passwortsystem sicher schon lange anwendet. Der Prachtstaffelschwanz (Malurus cyaneus) schützt sich damit davor, den Nachwuchs des Rotschwanzkuckucks (Chalcites basalis), eines Brutschmarotzers, großziehen zu müssen und kann so diesen Energieaufwand in die Aufzucht des eigenen Nachwuchses investieren. Wie funktioniert dieses Vorbild?

Links: Pärchen des australischen Prachtstaffelschwanzes (Malurus cyaneus), eines zaunkönigähnlichen Australischen Sängers, der aber eher mit Honigfressern, Panthervögeln und Schnäppern verwandt ist (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Australische_S%C3%A4nger).
Rechts: Rotschwanzkuckuck (Chalcites basalis): Hahn und Henne sind gleich gefärbt, kein Geschlechts-Dimorphismus (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Rotschwanzkuckuck).

Bei wissenschaftlichen Untersuchungen der Reaktion dieser Australischen Sänger auf die Warnrufe von Fressfeinden (siehe Glossar), war den Forschern aufgefallen, dass entgegen dem sonstigen Verhalten von brütenden Vögeln, die werdenden Vogelmütter bestimmte Gesänge zwitscherten, die bestimmte einfache Töne enthielten. Es stellte sich dabei heraus, dass die jungen Nestlinge nach dem Ausschlüpfen diese Töne als Futterruf verwendeten. Man stellte zudem fest, dass diese Töne bei den einzelnen Müttern deutlich differierten.

Die nächste Frage war nun, ist der Ruf angeboren oder wird er erlernt. Daher tauschten die Forscher die Gelege zweier Nester aus und beobachteten, ob die Lockrufe eher den biologischen oder eher den Pflegemüttern entsprachen. Es stellte sich heraus, dass die Töne der Pflegemütter erfolgreich waren, also müssen die jungen Nestlinge diese Töne noch im Ei als Embryonen erlernt haben. Diese durch die Nestlinge erlernten Töne zeigen den Pflegeeltern an, dass sie wirklich ihre eigene Brut füttern und nicht die von schmarotzenden Nestlingen, die ihnen untergeschoben worden sind. Diese Sänger sichern durch diese Passwörter kein Geldkapital, sondern ihr eigenes Genkapital, das sie in die nächste Generation bringen wollen, damit ihre eigene Art überlebt. Genau dies ist ein Grundprinzip in der Evolution, die damit eine extreme Genkapital-Sicherung betreibt.

Leserkommentar

Werner, 07-03-13 10:48:
Auch dieses Beispiel lehrt uns Ehrfurcht vor allen Leben
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