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Passwort vergessen? Dumm gelaufen!

Kontensicherung durch Passwörter

Wie könnte es bei der Evolution in der Natur weiter gehen?

Zuerst muss man annehmen, dass die Kuckucks-Jungen eventuell als Singvögel diese Gesänge lernen könnten; aber die Forscher nehmen an, dass die Kuckuckseier wenige Tage kürzer beschallt werden und so noch nicht sicher ihr Passwort erlernt haben. Daher funktioniert diese Passwort-Sicherung und die Sänger erkennen den Brutschmarotzer, der sich im Nest eingefunden hat. Sie verlassen dieses und versuchen in einem neu angelegten Nest eine neue, eigene Brut erfolgreich aufzuziehen.

Aber selbst die Kuckucke wenden das Prinzip trial and error an. Vielleicht entwickeln Embryonen vom Rotschwanzkuckuck irgendwann die Fähigkeit, schneller ihre Passwort-Lektion zu erlernen, so wie sie in der Regel schneller schlüpfen als ihre Stiefgeschwister. Dann könnten sie es in Zukunft schaffen, dennoch in Nestern der Australischen Sänger aufzuwachsen. Es wäre für Biologen spannend, zu erfahren, wie die potenziellen Pflegeeltern auf diese Anpassung der Kuckucke reagieren würden. Vielleicht würden sie ein neues Sicherheitssystem entwickeln.

Wenn wir dies heute schon wüssten, könnten Datenschützer im ähnlichen Wettstreit an den Bankautomaten zwischen Daten-Sicherern und Daten-Hackern daraus Vorteile ziehen. So müssen sie heute aber noch selber Schutzsysteme erfinden. Vielleicht stellen dann Biologen irgendwann wieder fest, dass die Natur genau dieses Prinzip schon wesentlich früher entdeckt hatte. Man sieht, dass wir uns heute immer noch mitten in der Weiterentwicklung der Evolution befinden.

Wir Menschen nützen dabei zusätzlich die so genannte kulturelle Evolution, d.h. dass wir Menschen nicht nur Gen-Veränderungen weitergeben können, sondern auch schriftliche Aufzeichnungen, dadurch können Änderungen viel schneller weit verbreitet werden, was zu der rasanten Entwicklung der Menschheit in unserer Zeit geführt hat. Da wir aber immer wieder auf verblüffende Erscheinungen der Evolution treffen, wie beim Passwort der winzigen Sänger in Australien, stellt sich die Frage, was dafür verantwortlich ist, wenn wirklich nur trial and error wirken können. Eine Antwort könnte sein, dass die Natur viel längere Experimentierzeiten nutzen konnte. Wir Menschen erhöhen ständig die Leistungsfähigkeiten der verwendeten Großrechenanlagen, die Natur kontert damit, dass sie eben schon "Millionen von Jahre Erfahrungen sammeln" konnte.

Abschließende Betrachtungen

Trial and error entzaubert viele Erklärungen für schier unglaubliche Erscheinungen in der Natur. Doch sollte betont werden, dass jede Neuerung über "trial" angeboten werden muss. Erfolgt dieses Angebot nicht, so wird es auch niemals eingeführt werden. Es existieren aber fast unglaubliche Lösungen, die sich viele Menschen nur mit der göttlichen Vorsehung erklären können. Diese ist bei Atheisten selbstverständlich verpönt. Jedoch wird selbst ein naturwissenschaftlich orientierter Mensch nicht behaupten, dass er Gott so beweisen könne; schließlich sind positive, wissenschaftliche Beweise immer vom Stand der momentanen Forschung abhängig und es kann immer wieder Erweiterungen oder Präzisierungen geben. Insofern wird sich ein aufgeklärter religiöser Mensch an irgendeinem Punkt dennoch auf seinen Glauben berufen und annehmen, dass hinter solch komplexen Gefügen ein äußerst intelligentes ("göttliches") Prinzip stecken kann. Wenn aber jemand meint, er müsste seinen Glauben mit militanten Mitteln durchsetzen, weil dieser wissenschaftlich bewiesen sei, so entlarvt er sich selbst als wissenschaftlicher Dilettant, der seine Lektionen nicht gelernt hat.

Literatur

[1] http://mobil.stern.de/wissen/natur/vogelkunde-hier-piept8217s-nicht-richtig-1923844.html

[2] http://scinexx.de/wissen-aktuell-15304-2012-11-09.html

[3] http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Codewort__bdquo_Fuetter_mich__ldquo_1771015

Hintergrund-Informationen:

Prachtstaffelschwanz (Malurus cyaneus): Australische Sängerart mit auffälligem Geschlechts-Dimorphismus; das Männchen, der Hahn, ist auffallend blau (cyaneus) gefärbt, während seine Henne eine unauffällige Tarnfarbe trägt (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Australische_S%C3%A4nger). Wie bei unserer Stockente deutet dieser Färbungsunterschied darauf hin, dass das Weibchen allein das Brutgeschäft erledigt.

Kuckucke sind in der Regel Brutschmarotzer und passen sich möglichst optimal an die Verhältnisse bei ihren Wirtseltern an: Entfernen eines Eies im vorhandenen Gelege; erbliche Anpassung der Färbung des Kuckuckseis an das Gelege der Wirtseltern; Abpassen des günstigsten Zeitpunkts für die Eiablage. Der Kuckucks-Nestling sorgt oftmals für sein besseres Überleben, indem er die biologischen Nachkommen der Pflegeeltern aus dem Nest wirft, weil sonst eventuell die Wirtseltern bei der Futtersuche überfordert wären.

Das Männchen dieser Sängerart setzt sogar den Ruf seines Fressfeindes, des Graurücken-Krähenwürgers (Cracticus torquatus) ein, um bei seinem Weibchen mehr Aufmerksamkeit zu erwecken (siehe http://www.gehirn-und-geist.de/alias/verhaltensforschung/lockruf-des-grauens/1060869). Was zuerst wie Harakiri für die eigene Art aussieht, funktioniert möglicherweise deswegen sehr gut, weil der singende Fressfeind keine Jagdlust verspürt, dafür aber das arteigene Weibchen eher paarungsbereit ist, wenn es das Feind/Freund-Duett Krähenwürger/Sängerhahn hört. Der bekannteste Würger in unserer Heimat ist der Neuntöter (Lanius collurio), welcher Insekten und kleine Vögel als Vorrat z.B. auf Dornen von Schlehenbüschen ("Schlachtbank") aufspießt.

Es ist interessant, dass die beschriebene australische Sängerart mindestens zwei besondere Verhaltensweisen aufweist, welche mit dem Gesang zusammenhängen, wogegen andere Vögel dafür andere Taktiken einsetzen, um bessere Überlebenschancen zu erreichen.

Leserkommentar

Werner, 07-03-13 10:48:
Auch dieses Beispiel lehrt uns Ehrfurcht vor allen Leben
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