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LED, das Leuchtmittel der Zukunft

Eindrücke von der Light + Building 2012

Anschaffungskosten von LED-Lampen

Der scheinbar hohe Anschaffungspreis ist momentan die größte Hürde und der häufigste Grund, warum Kunden immer noch zu den herkömmlichen Energiesparlampen greifen oder gar noch schlimmer, sich mit den inzwischen verbotenen Glühlampen eingedeckt haben, um nicht auf das gewohnte Licht verzichten zu müssen. Unüberlegt und nachteilig meint der Autor, weil solche Nutzer noch über längere Zeit viel zu viel Strom für Ihre Beleuchtung ausgeben werden.

Solche Kunden haben sich eben nicht genau genug informiert, sondern sich nur unüberlegt den Klagerufen der Glühlampen-Nostalgiker angeschlossen. Schaut man genau hin, sieht die Rechnung wie folgt aus: Eine 60 Watt Glühlampe kostete früher etwa einen Euro bei einer durchschnittlichen Brenndauer von 1000 Stunden. Die entsprechende LED in warmweißem Licht bekommt man heute in ausgezeichneter Qualität für 20 bis 30 Euro mit einer angegebenen Brenndauer von 30.000 bis 50.000 Brennstunden. Damit ist die LED-Lampe bereits im Anschaffungspreis günstiger. Nun kommt noch über die gesamte Lebensdauer der LED-Lampe die deutliche Stromersparnis von über 80 Prozent hinzu. Somit spart man je nach Lampe oft einige hundert Euro Stromkosten in deren Lebenszeit ein. Zusätzlich entlastet man das Stromnetz, dessen Ausbau auch nicht billig ist. Bei manchen berechneten Beispielen, wo beispielsweise von langen Brenndauern pro Tag ausgegangen wurde, amortisieren sich schon nach wenigen Monaten die angeblich so hohen Anschaffungskosten. Unternehmen mit solchen Beleuchtungs-Anforderungen (z.B. Parkhäuser) erkennen sehr schnell die wirtschaftlichen Vorteile von LED-Produkten und rüsten eher um, während der Privatkunde häufiger mit der Entschuldigung zögert: "Das erlebe ich ja gar nicht mehr!"

Bleibt noch ein Einwand übrig: Wer garantiert die langen Brenndauern der LED-Lampen? Das kann man doch bisher gar nicht getestet haben. Auch hier wollen die Hersteller den Kunden durch zwei bis drei Jahre Garantie eine gewisse Sicherheit geben. Wer etwas wagt, eben die neuartige Technologie, der gewinnt eigentlich (fast) immer. Vor allem tut er etwas für eine sinnvolle Ressourcenschonung für nachfolgende Generationen.

Neue Leuchten

Unsere vorhandenen Leuchten sind auf die Abstrahlungs-Charakteristiken der bisherigen Lampen eingerichtet. Man hat bei der Entwicklung von Retrofit-LED-Lampen aus den Fehlern der vorausgegangenen Entwicklung der Energiesparlampen gelernt und von Anfang an Wert darauf gelegt, Lampen für die gängigen Fassungen anzubieten, umso besser in den Markt einsteigen zu können. Bei der Einführung der bisherigen Energiesparlampen war man erst dann ins Geschäft gekommen, als man Lampen mit den klassischen Fassungen angeboten hatte.

Diesen Fehler hat man erfreulicherweise dieses Mal nicht gemacht, mit welchen Konsequenzen? Momentan hat die Standard-LED-Lampe (mit Birnen- oder Kerzenform) über dem Schraubgewinde den Kühlkörper und ist an dieser Stelle dunkel beziehungsweise strahlt kein Licht nach oben ab. Der Autor hat bereits vor zwei Jahren auf dieses Problem hingewiesen. Aber bisher hat man kaum darauf geachtet, weil es zuerst einmal darum ging, Lampen mit warmweißem Licht und ausreichender Lumenzahl zu entwickeln. Vielleicht kommt man nun dazu, sich um eine verbesserte Nachbildung der Glühlampencharakteristiken zu kümmern. Es sollte eigentlich relativ leicht möglich sein, dieses Problem zu lösen. Auf der Light + Building 2012 in Frankfurt, der weltgrößten Messe zu Leuchtmitteln, zeigte General Electric beispielsweise erstmals eine E27-Lampe mit einer deutlichen Lichtabstrahlung selbst zur Leuchtenfassung hin. Ein eigener Test vor Ort steht allerdings noch aus. Osram bringt mit Parathom Pro Classic A75 Advanced eine E27 LED-Lampe mit sehr erfreulichen technischen Werten heraus: 14 W/1055 Lumen/340° Abstrahlwinkel. Philips hat ebenfalls eine Neuerscheinung angekündigt. Ob die Preise irgendwann erfreulich sein werden, können erst die Verkaufspreise der Händler offenbaren (siehe W. Messer, http://fastvoice.net/2011/12/08/retrofit-led-leuchten-immer-heller-bald-auch-billiger/).

Wenn einmal der Übergang zur LED-Technologie weitgehend gelungen ist, wird sicher darüber nachgedacht, neue Leuchtenformen zu entwickeln, welche besser an die Gegebenheiten der LED-Lampen angepasst sind. Wer noch länger Geduld hat, wird mit OLED in Zukunft Lampen und Leuchten als Einheit kaufen. So könnte beispielsweise die lichtdurchlässige Fensterscheibe am Abend zur indirekten Beleuchtung für ein Zimmer werden oder eine spezifische Deckenplatte erleuchtet dezent einen Essplatz (siehe Kommentar zum Glühlampenverbot der EU: Über Energiesparlampen zu LED und OLED).

Momentan sind LED-Lampen für die inzwischen verbotenen Glühlampen ein guter Ersatz. Dennoch werden die herkömmlichen Energiesparlampen, also die mit Quecksilberdampf, unverständlicherweise weiterhin empfohlen, sowohl von offiziellen Stellen als auch von Elektrofachgeschäften. Diese Empfehlungen sollte jeder vernünftige Mensch schon dann ignorieren, wenn er erfährt, dass gleichzeitig die Abschaffung dieser Lampen nach gesetzlich fixierten Gesetzesnovellen mit öffentlichen Zuschüssen gefördert worden war, vor allem weil diese wegen ihres Quecksilbergehaltes Sondermüll sind, aber auch wegen weiterer Nachteile, die oben bereits angedeutet worden sind.

Es wäre erfreulich, wenn fortschrittlich eingestellte Bürger einfach die lobbybezogenen Empfehlungen der Bundesregierung ignorieren würden, wie dies erst kürzlich bei der E10-Verordnung bezüglich der Treibstoffe geschehen ist. Genauso wie bei diesem Punkt führen lobbyhörige Regierungsberater bei den Lampenempfehlungen die nicht so gut informierte Bevölkerung hinters Licht. Der Autor hat seine Ansichten zu beiden Themenkreisen über Jahre hinweg unwidersprochen geäußert. Er ist gerne bereit, sich besseren Argumenten zu beugen. Diese sind aber bisher nicht aufgetaucht. Insofern kann der Autor nur empfehlen, setzen Sie auf LED, allerdings mit Köpfchen. Dort wo es noch keinen gleichwertigen Ersatz gibt, sollte man durchaus noch ein bisschen abwarten, ehe man sich für eine LED-Lösung entscheidet. Es ist sicher nicht falsch, vorhandene herkömmliche Lampen noch aufzubrauchen. Eindeutig verfehlt wäre es jedoch, der bisherigen Lampengeneration nachzutrauern. Wenn nur fünf Prozent Energie für Licht aufgewendet werden und der Rest der Energie nur Lampen und Leuchten erhitzt, sollte eine Technologie, die den Spieß umdreht, auf jeden Fall bevorzugt und gefördert werden. Aus diesem Grund sind die Rahmenrichtlinien der EU zur Energieeinsparung bei Leuchtmitteln durchaus zu begrüßen, allerdings nur in dem hier umschriebenen Rahmen.

Noch ein Hinweis am Rande: Am 26. März 2012 ist der Erfinder der weißen LED Prof. Dr. Jürgen Schneider 4 Monate nach seinem 80. Geburtstag verstorben. Er war offensichtlich ein bescheidener Erfinder, der die meiste Forschungszeit am Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF in seiner Wahlheimat Freiburg gewirkt hat. Eine Würdigung seiner Tätigkeit folgt demnächst hier.

Prof. Dr. Jürgen Schneider, Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF. (Bild: Fraunhofer IAF)

Leserkommentar

werner, 07-03-13 11:17:
mein Kompliment zu dieser Darstellung
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