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Nachruf auf den Vater der weißen LED

Zum Tod von Professor Jürgen Schneider

Erfinderschicksale

Zitat aus einer Pressemitteilung des Fraunhofer IAF vom 22.11.2011 zu Professor Schneiders 80. Geburtstag: "Erfindungen haben es manchmal schwer", so Prof. Dr. Schneider. "Eine unserer ersten Lumineszenzkonversions-LEDs wurde bei einem Kunden zunächst als 'merkwürdige Büroklammer' verkannt und entsorgt. Erst im zweiten Anlauf konnten wir mit unserer Technologie überzeugen." Das war vor 17 Jahren, etwa ein Jahr vor Schneiders Pensionierung.

Erfreulicher war für Schneider etwa ein Viertel Jahr vor seinem Tod, dass seine Wahlheimat Freiburg im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs "Kommunen in neuem Licht" ausgezeichnet wurde und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zwei Millionen Euro bereitgestellt wurden. Damit konnten innovative Beleuchtungskonzepte verwirklicht werden. So hat in der Adventszeit 2011 das Freiburger Münster im neuen LED-Licht, dem Licht der Zukunft (siehe Nachruf des IAF auf Professor Dr. Schneider) geleuchtet. Somit konnte er noch selber sehen, wie "Sein Licht" das Wahrzeichen seiner Heimatstadt erstrahlen ließ und sein Licht ist nicht nur zu seinem Grablicht geworden, was leicht hätte passieren können, sondern erleuchtet künftig die ganze Welt.

Die Welt bei Nacht aus dem Weltraum gesehen. Collage, da nicht überall gleichzeitig Nacht sein kann (Bild: Fraunhofer IAF).

Professor Schneiders Biographie

Eine gute Quelle für solche Daten ist in der Regel Wikipedia. In diesem Fall hat sich leider gezeigt, dass es bei Wikipedia genauso wie bei einem Computer ist. Die Lexikon-Seite ist nur so intelligent, wie das, was Menschen in diese hineinschreiben:

Jürgen Schneider (Physiker)
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Jürgen Schneider (geb. 25. November 1931 in Berlin; gest. 26. März 2012) war ein deutscher Physiker und Hochschullehrer sowie Erfinder der weißen Leuchtdiode (LED, 1995).
Schneider studierte Physik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, wo er 1967 auch habilitiert wurde. Er war bis zu seiner Pensionierung 1996 Leiter der Abteilung Materialforschung im Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik (Fraunhofer IAF) und Mitglied des Lehrkörpers der Fakultät für Physik der Universität Freiburg.

Weblinks
- Der Erfinder der weißen LED feiert seinen 80. Geburtstag
- Traueranzeige
Hinweis: Diese Seite wurde zuletzt am 11. April 2012 um 13:25 Uhr geändert. (Quelle: Wikipedia)

Eine Instituts-Chronik des IAF zum 50-jährigen Bestehen der Fraunhofer-Gesellschaft im Jahr 1999 verrät mehr über den bescheidenen Erfinder. (Quelle: 50 Jahre Fraunhofer IAF (Festschrift 1999, S.77): Jürgen Schneider - Doktorvater und Erfinder, ein "Urgestein" des IAF)

Die Bombenangriffe auf seine Geburtsstadt Berlin vertrieben ihn in den Schwarzwald an das Internat Birklehof in Hinterzarten, wo er am humanistischen Gymnasium sein Abitur abgelegt und dann anschließend sein Physikstudium in Freiburg absolviert hat. 1957 ging er als Postdoc in die USA nach North Carolina, wo er sich mit dem damals in Deutschland noch unbekannten Gebiet der Mikrowellenspektroskopie vertraut gemacht hat.

Professor Schneider demonstriert vor einer Elektronenspinresonanz-Apparatur die Gitterstruktur eines Halbleiters, also der Materie, die in Leuchtdioden vielfältige Anwendungen findet. (Bild: Fraunhofer IAF)

Danach kehrte er wieder in seine Wahlheimat zurück. Diesen Wechsel zwischen USA und Freiburg vollzog er noch zweimal und entschied sich danach lieber für die Stelle eines Abteilungsleiters beim Fraunhofer-Institut anstatt eine Universitätsprofessur anzunehmen, obwohl ihm gerade an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen sehr gute Berufungskonditionen angeboten worden waren. Offenbar waren für ihn die hervorragenden Forschungsmöglichkeiten am Fraunhofer-Institut IAF verlockender. Er musste dort zudem niemals auf die Kontakte zu jungen, begeisterungsfähigen Nachwuchsforschern verzichten und hat neben seinen eigenen vielfältigen wissenschaftlichen Arbeiten über Defekte an Festkörpern über 30 Studenten zum Diplom oder zur Promotion geführt. Er begeisterte diese offensichtlich durch seine profunden Kenntnisse über geschichtliche Zusammenhänge und als Mensch durch seinen hintergründigen Humor. Seine umfassende Sichtweise offenbarte er unter anderem dadurch, dass er sich zur Zeit des Eisernen Vorhangs Russisch-Kenntnisse aneignete, um Original-Publikationen aus dem anderen Block der Weltmächte lesen zu können.

Nur wenige Jahre vor seiner Pensionierung schaffte er seine wichtigste Erfindung zusammen mit seinen Mitarbeitern Peter Schlotter und Ralf Schmidt, wofür sein Team mit dem Fraunhofer-Preis ausgezeichnet wurde und als Motiv einer Briefmarke zum 50-jährigen Jubiläum der Fraunhofer-Gesellschaft erwählte man das "Licht der Zukunft". Auch nach seiner Pensionierung 1996 forschte er noch an der Freiburger Universität über Nano-Leuchtstoffe. In der Traueranzeige bezeugte ihm sein geliebtes Institut volle Anerkennung als Urgestein des IAF.

Für diese ausführlicheren Informationen und die prompte Bereitstellung der Bilder dankt der Autor Herrn Dr. Harald Müller, einem Schüler des Verstorbenen, ganz herzlich. In diesen Gesprächen zeigte sich, dass Professor Schneider nicht nur trockenes Fachwissen weitergegeben, sondern offensichtlich auch auf die Verantwortung eines Wissenschaftlers sehr viel Wert gelegt hat. Diese Sichtweise ist leider nicht selbstverständlich.

Leserkommentar

vincenzo, 09-10-14 14:13:
I used to work with Jurgen back in the eighties and nineties. The nobel prize to LEDs now posthumously vindicates him.
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