tom's networking guide
 
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Mensch-Maschine-Schnittstelle

26. 04. 2005
Stefen Niemeyer
Tom's Networking Guide

Netzzugang Tablet PC

Besser von der Hand

Tablet PCs eignen sich wegen der natürlichen Schrifteingabe viel besser für vernetzte Applikationen als herkömmliche Tastatur-&-Maus-PCs. Ob sie ihre Marktnische verlassen können, hängt von Preis und Qualität ab ? und da rührt sich etwas!
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Tablet PCs vor dem Durchbruch?

Ein Sonntagmorgen im Starbucks in der Berliner Friedrichstraße: Ein Münchner Journalist hat es sich bei einem guten Kaffee im Sessel bequem gemacht. Er liest auf seinem Tablet PC ein paar PDF-Dateien, schreibt ein paar Notizen in sein Windows-Journal und fügt einem Text-Dokument handschriftliche Anmerkungen hinzu ? nicht auf einem Ausdruck, sondern direkt in der auf dem Rechner angezeigten Datei. Der ältere Herr, der neben ihm sitzt, liest in einem Buch aus Papier und streicht darin Passagen an. Immer wieder schielt er zu dem merkwürdigen Gerät seines Sesselnachbarn herüber und ringt sich irgendwann zu der Frage durch, die ihn schon seit einigen Minuten quält: "Ist das ein Computer?"

Bei Erlebnissen wie diesem wundert es nicht, dass viele Tablet PCs als gescheiterte Plattform betrachten. Im Jahr 2002 mit der Prognose auf den Markt gebracht, binnen zwei Jahren gut 20 Prozent Marktanteil zu gewinnen, ist dieses Ziel bis heute nicht erreicht. Die Einschätzungen liegen bei einem Anteil von zwei bis fünf Prozent. Doch das könnte sich dieses Jahr ändern.

Schon im Jahr 1996 hatte Nicholas Negroponte, der Gründer des Media Lab am Massachusetts Institute of Technology (MIT) postuliert, dass immer weniger Intelligenz in einem einzelnen PC versammelt sein werde und dafür immer mehr im Netzwerk stecke, das mehr oder minder "dumme" Endgeräte miteinander verbinde. Ein Beispiel sind die damals noch gar nicht bekannten Netzwerk-Player, die aus dummen Fernesehern zweckgebundene Netzwerk-Endgeräten machen. Seine Vision zielt auf viele zweckgebundene Geräte mit just soviel "Intelligenz", wie gerade benötigt, sei es ein elektronisches Türschild, ggf. mit Touchscreen als Zugangskontrolle oder ein Festplattenloses Tablett, das, gleichfalls ohne Tastatur, auf Netzwerk-Ressourcen wie den eigenen Multimedia-Content-Server oder Server in Internet zugreift.

Einer Meldung der Financial Times Deutschland zur Folge will er nun zusammen mit AMD Billig-Laptops für Entwicklungsländer anbieten. Die Geräte sollen zu Preisen von rund 100 US$ Dollar pro Stück angeboten werden, das habe Negroponte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos angekündigt. Der niedrige Preis soll vor allem durch den Verzicht auf ein herkömmliches LCD realisiert werden. Stattdessen soll das Bild von einem Chip unter der Tastatur produziert, dann illuminiert und mehrfach projiziert auf einen spiegelähnlichen Bildschirm geworfen werden, schreibt die Financial Times Deutschland.

In Notebooks eingesetzt, erweitert das Microsoft-Betriebssystem Windows XP Tablet PC Edition das Gerät um die Eingabe von Befehlen und Text und Zeichnungen mit einem Stift wie beim natürlichen Schreiben und Zeichnen. Die hervorragende Handschrifterkennung hat Microsoft mit Windows XP Service Pack 2 vom vergangenen Jahr weiter verbessert. Hinter dem Display ist ein stiftempfindliches Grafik-Pad gelagert, das die Bewegungen von Stiften auswertet und ans Betriebssystem weiterleitet und ? je nach Einsatzzweck ? Eingaben per Maus und Tastatur obsolet macht.

Nomen es Omen ? obschon im Deutschen das Wort Tablett korrekt wäre, hat sich in Anlehnung an die Microsofts Betriebssystembezeichnung inzwischen der Begriff Tablet PC für diese Computergattung eingebürgert.

Bei den Geräten mit Stifteingabe unterscheidet man allgemein zwischen Convertibles, also Notebooks mit drehbarem Bildschirm, und Slates (engl. für Schiefertafeln), also tatsächlich gänzlich tastaturlosen Rechnern.

Microsofts Tablet PC Edition ist insbesondere für den Firmeneinsatz interessant, da sie eine Einweiterung eines vollständigen Windows XP Professional und damit absolut firmentauglich ist (Domänen-Einbindung, Verwaltung, Sicherheit). Zudem bringen alle hier vorgestellten Tabletts die Mindestvoraussetzungen in Sachen Netzwerkschnittstellen mit (Modem, LAN, WLAN und teilweise Bluetooth).

Auf der CeBIT 2005 waren einige neue Geräte zu sehen, und für die kommenden Wochen sind weitere Neuheiten zu erwarten. So bietet sich jetzt eine gute Gelegenheit für eine Bestandsaufnahme: Steht die Tablet PC-Plattform im Jahre 2005 vor dem Durchbruch?

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