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Cisco Expo 2008

17. 05. 2008
Bernd Schöne
Tom's Networking Guide

Report Cisco Expo 08 Berlin

Wenn grüne Switche kollaborieren

Cisco Hausmesse mausert sich zur Mini CeBIT. Im Mittelpunkt standen diesmal die Zukunft des Rechenzentrums und die Annäherung zwischen LAN und SAN.
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Cisco Expo: Collaboration in green

Als Ersatz für den gestrichenen Auftritt in Hannover leistet sich Cisco seine eigene Hausmesse, die sich wachsender Beliebtheit erfreut. 13 Prozent mehr zahlenden Besuchern und ein Veranstaltungsgelände am Rande seiner Kapazität. Wonach sich die CeBIT Macher rund um Sepp Heckmann nur sehnen können, Cisco hat es mit seiner Expo 2008 im Berliner Estrel Convention Center erneut hinbekommen. Die Anzahl der Aussteller, die sich die Teilnehmer an der Monsterhausmesse einen fünfstelligen Betrag kosten ließen, stieg sogar um 40 Prozent auf nun 70 Partner. Rund 3500 Menschen tummelten sich im Hotelkomplex des Estrel. Pro Partnerfirmen blieb da nur wenige Quadratmeter Platz, um sich zu präsentieren

Cisco stellte 2008 seine Hausmesse ganz unter das "grün" motivierte Thema Collaboration, und meint damit webgestützte simultane Zusammenarbeit ? natürlich bevorzugt über Netzwerktechnik aus dem eigenen Hause. Gleichzeitig streckt Cisco mit seine Fühler Richtung Mainframe und Rechenzentrum aus. Hier will man die Kommunikation konsolidieren.

Ein ruhiger Moment. Im unterdimensionierten Ausstellungsbereich herrschte teilweise drangvolle Enge.

Wenn es nach Cisco-Chef John Chambers geht, steigert Geräte- und Abteilungsübergreifende Zusammenarbeit im Unternehmen die Produktivität um 50 Prozent. Vorausgesetzt, die Chefetage zieht mit und vollzieht den Wandel vom Kommandieren zum Kollaborieren, damit sich die Mitarbeiter Web 2.0 mäßig standortübergreifend selbst vernetzen können, und zwar über Ciscos Telepresence-Lösung. Die soll es bald nicht nur als Videokonferenz-System geben, sondern auch mobil und geräteunabhängig funktionieren.

Green correctness

An grünen Visionen mangelte es den Keynotes und Präsentationen wirklich nicht. Neben dem Kampf gegen Stromverbrauch und für Konsolidierung hat sich Cisco zudem die Säuberung von Papier auf die Fahnen geschrieben. Alle Partner wurden angewiesen, alles Gedruckte zu Hause zu lassen. Was dazu führte, dass der von den Besuchern sehnlich erwartete Informations-Joint als verbotene Ware unterm Tresen verschoben wurde. Die Eigenart amerikanischer Firmen, Modethemen mit eschatologischer Attitüde als Glücksbotschaft unter die Menschheit zu bringen, wirkt auf das deutsche Gemüt manchmal unfreiwillig komisch. "Wo hört die Vision auf und fängt die Religion an", seufzte da ein Teilnehmer. Vielleicht schwappt vom Atlantik nach Political correctness nun die green correctness in den Alltag.

Es gab allerdings auch genügend Handfestes anzusehen und teilweise auch im Betrieb anzufassen. Etwa die fotogene Telepresence-Vorzeigelösung. Sie ermöglicht dank einer ausgeklügelten Datenkompression eine Videokonferenz mit bis zu drei Monitoren, jeweils in voller HD-Qualität und erspart so zeitraubende Dienstreisen. Die Wirkung der hochauflösenden Bilder ist verblüffend. Man vergisst schnell, dass der Gesprächspartner jenseits des Tisches in Kalifornien sitzt. Noch spart Telepresence nur Sprit und Meilen bei Konferenzen innerhalb des eigenen Konzerns, doch das soll sich ändern. In Berlin wurde erstmals eine Konferenz zwischen zwei Firmennetzen geschaltet. Cisco und BT kollaborierten sich zu einer firmenübergreifenden Videokonferenz. Die Premiere gelang. Obwohl in beiden Netzen Cisco Gerätschaften verwenden werden, erforderte das Feintuning an den Protokollen doch einen erheblichen Aufwand, wie Techniker vor Ort bestätigten. Bis zum Herbst soll die firmenübergreifende Telepresence kommerziell verfügbar sein. Ein Verkaufsschlager wird der Bandbreitenkiller aber wohl trotz gesparter Flugmeilen zunächst nicht. Cisco verkauft hier Kameras, Displays und Netzwerktechnik zusammen mit Licht und Hintergrund. Da wird die Rechnung schnell sechsstellig.

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