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Report Internet-Brief der Deutschen Post AG

Wenn der Postmann nicht mehr klingelt

Autokauf, Lotto, Micropayment: Services für jedermann

Auf der parallel zur CeBit abgehaltenen Pressekonferenz hat die Deutsche Post mehrere Zusatzdienste vorgestellt, die mit dem Online-Brief einher gehen sollen. Den Anfang macht das posteigene Micropayment-System, über das zum einen die Bezahlung des elektronischen Briefs erfolgt. Durch die Hinterlegung der Kontodaten auf dem Post-Account soll es zudem möglich sein, kostenpflichtige Inhalte zu erwerben, ohne dazu auf der entsprechenden Seite eine Bankverbindung angeben zu müssen. Kauft ein Anwender zum Beispiel einen Zeitungsartikel auf einer Webseite ein, übernimmt die Post die Bezahlung. Damit tritt das Micropayment-System der Deutschen Post in direkte Konkurrenz zu etablierten Bezahldiensten wie PayPal und Konsorten.

Präsentation: Auf der CeBit haben Post-Briefvorstand Jürgen Gerdes und Kooperationspartner die Online-Pläne der Post vorgestellt. (Quelle: Deutsche Post)

Als weiterer Micropayment-Dienst ist die Abwicklung von Rechnungen über das Post-System im Gespräch. So sollen sich zum Beispiel Arztrechnungen, die per Online-Brief eintreffen, schnell per Knopfdruck an die Krankenkassen weiterleiten lassen.

Viele Partner und Angebote zum Produktstart

Die auf der Cebit-Pressekonferenz genannten Zusatzdienste sind natürlich nicht zufällig gewählt. Sie gehen einher mit dem Angebot der Unternehmen, welche die Deutsche Post als Kooperationspartner für ihr Online-Projekt präsentiert. Mit dabei sind der ADAC, LOTTO Hessen, die BIG Direktkrankenversicherung, die DekaBank, die Zurich Versicherung und das Kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe.

Beispiel ADAC: Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club will mit dem Online-Briefsystem der Deutschen Post spezifische Angebote für seine 16 Millionen Mitglieder bereitstellen. Geplant sind Anwendungen, welche den Verbraucherschutz beim Autokauf stärken oder die Sicherheit bei Mitfahrzentralen erhöhen. Die Lotterie-Treuhandgesellschaft Hessen nimmt ab Sommer Spielaufträge über das Portal der Deutschen Post an. Spieler senden ihre Lottozahlen als elektronischen Brief ein und erhalten ihre Spielquittung dann ebenfalls elektronisch.

E-Poststelle als Online-Behörde

Die Post-Pläne machen bei Privatanwendern und Unternehmen nicht halt, denn Behördengänge soll das Online-Verfahren ebenfalls vereinfachen. Das darauf gemünzte Konzept nennt sich "E-Poststelle" und fungiert als Lösung für die öffentliche Verwaltung. Vorgesehen sind zum einen die klassischen Funktionen einer Poststelle wie Posteingangs- und Postausgangsbearbeitung. Dazu kommen Schnittstellen zu Dokumentenmanagement-, E-Mail-, Fax- und Workflow-Systemen.

Online-Behörde: Die für öffentliche Verwaltung vorgesehene E-Poststelle soll Behördenvorgänge für alle Beteiligten schneller und einfacher machen. (Quelle: Deutsche Post)

Die Kommunikation zwischen Verwaltung und Kunde soll komplett digitalisiert ablaufen. Dazu sieht das Konzept vor, elektronische Briefe direkt an die zuständige Organisationseinheit oder an den Sachbearbeiter weiterzuleiten. Eingehende Papierbriefe und Faxe werden digitalisiert, um anschließend in den Workflow einzugehen. Direkt über das Post-Portal können Kunden zudem Formulare ausfüllen, die sich per Knopfdruck an die Verwaltung schicken lassen. Letztere verschickt ihre Korrespondenz wiederum in Form eines elektronischen Briefs oder lässt diesen über die Post ausdrucken und als Hybrid-Brief zustellen.

Online-Brief versus De-Mail

Wer die elektronischen Dienstleistungen der Deutschen Post mit der vom Bund geplanten De-Mail vergleicht, entdeckt viele Gemeinsamkeiten. De-Mail ist ein für 2010 geplanter elektronischer und kostenloser Briefverkehr, welche die Bundesregierung im Rahmen des "Bürgerportal"-Projekts entwickelt. Per De-Mail sollen sich rechtsgültige Dokumente zwischen Bürgern, Behörden und Unternehmen verschicken lassen. Dieser Online-Dienst erfüllt die gleichen Sicherheitsansprüche wie der Internet-Brief, verfolgt aber einen anderen Ansatz. Mit dem Internet-Brief will die Post die elektronische und herkömmliche Briefzustellung miteinander verbinden, um sich schlichtweg ihr eigenes Geschäft zu bewahren. Die De-Mail geht dagegen einen Schritt weiter und will die Briefpost durch elektronische Korrespondenz ersetzen.

Zentral: Mit der De-Mail sollen sich rechtsgültige Dokumente zwischen Bürgern, Behörden und Unternehmen verschicken lassen. (Quelle: Bundesministerium des Innern)

Laut Jürgen Gerdes, Briefvorstand Post, strebt die Deutsche Post keine Kompatibilität zu De-Mail an. Stattdessen will man auf ein eigenständiges Dienstleistungskonzept setzen. Die Deutsche Post war zusammen mit der Deutschen Telekom und T-Systems an der Umsetzung der Pläne für die De-Mail beschäftigt, stieg jedoch nach diversen Querelen im März 2009 aus dem Konsortium aus. Laut Bundesregierung wurde das Anfang Oktober 2009 gestartete De-Mail-Pilotprojekt mittlerweile erfolgreich abgeschlossen.

Leserkommentar

Pink-punk Punk-pink, Tue, 22. Jun. 2010 - 18:12:
Es geht um Kostensenkung. Nur diese werden von der überwigenden Verbrauchergemeinschaft belohnt. Solchen (Privat)Gewinner als Alleinschuldner zu verurteilen ist genau so, wie einen Bordelbetreiber dafür, daß er DAS macht. So lange ES von den Massen gefördert wird, kommt immer wieder der nächste Macher-Gewinner. Und zeigt uns. Aber man muss sich vor Augen halten: es ist von uns gewählt durch unsere Regel. Und nur durch diese ist der Nächste Gewinner wahlbar. Der entspricht unseren Regel.
Contra 3 , Tue, 11. May. 2010 - 11:25:
Der Brief wird also eingescannt um dann wieder ausgedruckt zu werden. In wie vielen Fällen in denen beide Korrespondenten wissen, was eine E-Mail ist, werden diese denn bitte bereit sein, Porto dafür zu bezahlen?
Pink-ink , Tue, 11. May. 2010 - 01:08:
Contra 2: Viele Firmen verlagern eigene Arbeit und Verantwortung auf die Kunden, die noch mitspielen, weil sie noch nicht verstehen, was eigentlich abläuft.
Wenn ich z.B einen Brief einwerfe, dauert das ca. 1 Minute auf dem Weg zur Arbeit. Bis ich den Rechner hochfahre, mich an dem Portal anmelde und den Online-Brief abschicke, habe ich viel mehr kostbare Zeit verbraucht. Die Post allerdings hat erfolgreich Arbeitszeit eingespart. Der Dumme ist in diesem Fall der Verbraucher.
Pink-ink , Tue, 11. May. 2010 - 01:02:
Contra 1: Die Online-Briefdienste benötigen langfristig weniger Personal (siehe Packstation), wodurch wieder Arbeitsplätze wegfallen. Die Arbeitslosenquote steigt und die wenigen die noch Arbeit haben, dürfen durch höhere Steuern die Arbeitslosen unterstützen.

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