tom's networking guide
 
Anzeige
19. 07. 2010
Bernd Schöne
Tom's Networking Guide

Report Millennium-Preis-Verleihung in Helsinki

Ingenieur-Nobelpreis für künstliche Photosynthese

Der "Millennium-Award", der inoffiziellen Nobelpreise für Techniker, geht in diesem Jahr an den aus Dresden stammenden Chemiker Michael Grätzel, dem Erfinder der Grätzel-Zelle. Damit würdigt die Finnische Akademie für Technologie die Entwicklung der dritten Generation von Solarzellen, die nicht mehr mit teurem Silizium, sondern mit preiswertem Farbstoff arbeitet.
.

Alternativen zur Silizium-Technik

Seit dem Jahr 2004 gibt es so etwas wie einen Nobelpreis für Ingenieure. Die Finnische Akademie für Technologie vergibt ihn alle drei Jahre. Jeweils drei Forscher erhalten eine Auszeichnung, aber nur einer erhält das volle Preisgeld von 800.000 ? und den Titel: Gewinner des Millennium-Preises. Vorher muss der Gewinner einiges leisten. Nicht nur wissenschaftlich, sondern auch vor Ort. Die findigen Finnen nutzen die Prominenz der Ausgezeichneten eine Woche für ein knallvolles Rahmenprogramm. So gut wie jede wichtige Firma des fünf Millionen Staates wird besichtigt oder darf sich präsentieren. Allen voran natürlich Nokia, seit dem Handy-Boom Aushängeschild der Finnen.

Diesmal gab die Jury ein klares Zeichen. Zum einen machte sie klar, dass in der Elektronik das Plastik-Zeitalter anbricht, denn zwei der Laureaten arbeiten auf dem Gebiet der organischen Polymere, die sich wie Halbleiter verhalten, aber ganz anders hergestellt werden und vor allem kein teures Silizium verwenden. Zum anderen in Richtung Sponsor Nokia. Stephen Furber, der jene Prozessor-Architektur erfand, die den Handy-Boom erst möglich machte, bekam den Preis nicht.

Es muss nicht immer Stockholm sein, in Helsinki gibt es seit 2004 ebenfalls schöne Preise zu gewinnen. (©Smartmedia PresSservice)

Ziel des Millennium-Preises ist es, Innovationen zu ehren, die sich positiv auf die Lebensbedingungen der Menschen auswirken und die Menschlichkeit moderner Technologie zeigt. Er wurde 2004 in Abstimmung mit der Nobelpreis-Stiftung entwickelt, um die "Ingenieur-Lücke" der Nobelpreise zu schließen. Das Besondere: Jeder der Laureaten erhält zunächst den "kleinen" Preis. Während der Übergabe lüftet dann der Vorsitzende der Stiftung das Geheimnis über den Gewinner des "großen" Preises. Die Verlierer gehen mit 115.000 ? plus einem stilisierten Gipfel nach Hause, der Sieger erhält 800.000 ? und eine größere Version der Skulptur. Überreicht wird der Preis vom Finnischen Staatsoberhaupt in der finnischen Nationaloper. Das von der politischen Prominenz des Landes kaum jemand vor Ort war, zeugt vom noch entwicklungsfähigen Status des Preises. In zwei Jahren sind die VIP-Plätze in den ersten Reihen dann hoffentlich besser gefüllt. Vielleicht sind sieben Tage Millennium-Preis mit Dutzenden Veranstaltungen etwas zu viel für das beschauliche Helsinki, in der Woche des Nationalfeiertages.

Wenn das die Studenten sehen würden: Drei hochberühmte Professoren warten wie die Schulbuben auf das Urteil der Jury ... (©Smartmedia PresSservice)

Spannend wie beim Oscar

Die Organisatoren des Millennium-Awards machen es bewusst spannend indem sie den Gewinner Hauptpreises, des Millennium-Award, bis zur letzten Sekunde geheim gehalten. So sitzen dann drei hoch gerühmte Professoren wie Prüflinge im Frack und warten schwitzend in der Oper von Helsinki auf das Urteil der Jury. Diesmal war es besonders knapp. Michael Grätzel konnte es kaum glauben, als sein Name den zehn am häufigsten zitierten Wissenschaftlern seines Faches. Der aus Sachsen stammende Michael Grätzel studierte in Berlin-West Chemie und ist der erste deutschsprachige Gewinner des Preises. Er lebt und forscht allerdings seit Jahrzehnten in der Schweiz und ist Professor an der Ecole Polytechnique de Lausanne.

Den Preis erhielt er für eine spezielle Solarzelle, die auf technischem Wege die aufgerufen wurde. Schließlich ist die "Grätzel-Zelle" inzwischen ein Produkt, mehr Kind der Industrie als der Forschung. Doch zuvor hatte Grätzel intensiv an den Grundlagen geforscht und ist zudem noch als Autor sehr aktiv. Er gehört zu Photosynthese in einem Pflanzenblatt nachbildet. Grundlage sind leitende, organische Kunststoffe. Auf diesem Gebiet arbeitet sein Co-Laureat Sir Richard Friend ebenfalls. Klarer kann das Signal der internationalen Jury kaum sein: Kunststoffe sind schwer im Kommen. Auch wenn der Millenniums-Preis selbst nach wie vor aus Silizium ist.

Die finnische Nationaloper bietet den stilvollen Rahmen für die Verleihung der Preise. (©Smartmedia PresSservice)

Leserkommentar

Christine sirowatka, Thu, 16. Jun. 2011 - 12:14:
Hallo!
Habe großes Interesse an der stromerzeugenden Folie und möchte gerne mehr darüber erfahren.
Bin interessierte Privatperson.
Mfg. Christine Sirowatka

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*





*
*
Rubriken
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Mehr zum Thema
Report TELI ? energiesparende Prozessor-Technik
Intels neue Server-Architektur amortisiert sich schon binnen Jahresfrist oder gar noch schneller. Und das nicht nur, weil sie mehr leistet: Moderne Prozessor-Technik spart Arbeit, Platz und Energie. [mehr]
Report TELI "Kaltes Licht schont Umwelt und Geldbeutel"
Glühlampen droht der gesetzliche Bann. Sogenannte Energiesparlampen sind allerdings nicht unproblematisch. Ob und wie es mit LED-Licht besser geht, klärte ein TELI-Expertengespräch, in dem Sharp über den aktuellen Stand der Technik informierte. [mehr]
Das Universum in einer Schachtel
Das Universum soll vor allem aus "Dunkler Materie" bestehen. Sehen kann man sie allerdings nicht, nur auf Hochleistungsrechnern simulieren. Passen die Simulationen zur sichtbaren Welt? [mehr]
Display-Technik-Trends im HD-Zeitalter
TV-Bildschirme werden immer größer und flacher. Wie die Broadcaster die neue Technik sehen, erläuterte Dipl.-Ing. Gierlinger vom IRT im Rahmen eine TELI-Veranstaltung [mehr]
Nobelpreistraegertreffen in Lindau 2008
Sieben Nobelpreisträger ? sieben Meinungen. Aus aller Welt zum 58. Treffen wissenschaftlichen Elite angereiste Jungforscher konnten sich aussuchen, was sie am meisten interessiert. Hoch im Kurs: Nobelpreisträger anfassen und mit ihnen reden. [mehr]
Anzeige