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Report Millennium-Preis-Verleihung in Helsinki

Ingenieur-Nobelpreis für künstliche Photosynthese

Riesenmonitore mit geringem Stromverbrauch

Von der Queen geadelt und Inhaber des höchst angesehenen Cavendish Lehrstuhles für Physik der Universität Cambridge, viel höher kann man als Physiker im Vereinigten Königreich kaum gelangen. Dass ausgerechnet Friend den Preis nicht bekam, lag wohl unter anderem daran, dass die Forschungsarbeiten viel breiter aufgestellt sind und einen anderen Schwerpunkt haben. Friend forscht vor allem am Gegenteil der Solarzelle, den Licht aussendenden organischen Leuchtdioden. Diese OLEDS (Organic Light Emitting Diods) nutzen Strom höchst geschickt aus, was sich in deutlich geringeren Verbrauchszahlen bei großformatigen Displays niederschlägt. OLEDs leuchten selber, brauchen also keine Beleuchtung aus dem Display-Hintergrund.

Kohlenstoffbasierte Polymere können aber noch mehr. Man kann Transistoren aus ihnen herstellen und sogar intelligente Schaltkreise. Sie sind größer als die bekannten Chips von Intel & Co, aber dafür enorm preiswert, energieeffizient und vor allem ganz anders zu verarbeiten. Man kann sie mit einem Tintenstrahl-Drucker auf Papier spritzen.

Alles begann mit einer unerwarteten Erkenntnis. Friends Arbeitsgruppe entdecke in den späten 80er Jahren, dass sich bestimmte organische Polymere wie anorganische Halbleiter verhalten, und öffnete damit die Tür für einen völlig neuen Zweig der Elektronik. 1988 baute Friend den ersten Kunststoff-FET-Transistor.

Polymer-Transistoren sind einfach und preiswert in der Herstellung. Es genügen normale atmosphärische Bedingungen und Temperaturen, während anorganische Halbleiter nur unter Vakuum und hohen Temperaturen herzustellen und zu verarbeiten sind. In jedem Fall entfallen aufwändige und teure Fabrikationsanlagen.

Noch im Sommer kommt ein erstes Consumer-Produkt aus seiner Forscherwerkstatt in den Handel. Friend gründete die Firma "Plastic Logic", die den QUE eReader produziert, ein mechanisch sehr stabiles Lesegerät mit einem flexiblen OLED Kunststoffdisplay. Ein Reader für alle Arten gedruckter Inhalte, Zeitschriften inklusive.

Ganz ohne Preis musste Friend Helsinki aber nicht verlassen. Er gewann den (nicht zusätzlich dotierten) Publikumspreis der Akademie, den diese heuer erstmals auslobte. Abstimmen durfte jeder, der auf die Webseite der Akademie surfte.

Ganz mit leeren Händen musste Prof. Friend nicht gehen: Er erhielt den Publikums-Preis der Akademie. (©Smartmedia PresSservice)

Trostpreis für RISC

Einer musste sich allein mit dem kleinen Millennium Award begnügen. Im Nokia-Land Finnland ging damit der Mann als Verlierer vom Platz, der die Grundlage für 98 Prozent aller Mobiltelefone legte.

Stephen Furber, Professor für Computer Engineering an der Universität Manchester, ist der Hauptdesigner des auf 32 BIT RISC Technologie basierenden ARM-Mikroprozessors. Seine Innovation revolutionierte die Entwicklung der mobilen Elektronik.

Heute kommt kein Mobiltelefon und kein MP3 Player ohne RISC Architektur aus, Furber leitete das Team, das den ersten RISC Prozessor entwickelte. Er besaß nur 25 000 Transistoren und war trotzdem schneller als der viel komplexere 80 256 Prozessor von Intel. Entwickelt wurde er "ohne Geld und ohne humane Ressourcen, wie Furbers damaliger Arbeitgeber Hermann Hauser erinnert. Daher stand fest: es musste alles so einfach und simpel wir möglich konstruiert werden.

Angetrieben wurde die Entwicklung durch die Rivalität der beiden Home-Computer-Philosophien in Großbritannien dem ZX Spectrum von Sinclair und dem BBC Micro von Chris Curry, dessen Rechnerherz Stephen Furber konstruierte. Beide sind inzwischen Geschichte, doch die RISC-Idee und die Design-Schmiede ARM lebt weiter.

RISC Prozessoren sind nicht für die komplexesten Aufgaben maßgeschneidert, sondern für solche, die mit wenig Energie erledigt werden müssen. Pro Energieeinheit liefern sie die meiste Leistung.

Bis 2010 haben diverse Chip-Hersteller zusammen rund 18 Milliarden Prozessoren mit ARM-Design produziert, vor allem für den Markt der Embedded-Rechner und Mobilgeräte. In einem Mittelklasse Auto regeln rund ein Dutzend ARM-Prozessoren die Befehlsströme.

Furber ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus, Zurzeit lässt er eine neue Genration von RISC Prozessoren bauen, die er in ein flexibles Netzwerk stecken möchte. Dieser eng vermaschte Parallelcomputer soll das menschliche Gehirn simulieren. Wie in unserem Denkapparat, spielen die Verschaltungen der einzelnen Knoten eine entscheidende Rolle. Daher soll sie nicht starr, sondern hoch flexibel sein. Mediziner beraten das Projekt der Informatiker. Erste Ergebnisse sollen in zwei Jahren verfügbar sein.

Gruppenbild mit Dame: Spannung weg, Champagner entkorkt. Die Preisträger nach dem Urteil der Jury. Mit dabei: die finnische Staatspräsidentin. (©Smartmedia PresSservice)

Leserkommentar

Christine sirowatka, Thu, 16. Jun. 2011 - 12:14:
Hallo!
Habe großes Interesse an der stromerzeugenden Folie und möchte gerne mehr darüber erfahren.
Bin interessierte Privatperson.
Mfg. Christine Sirowatka

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