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Streit um Energiedichte von Treibstoffen

EU plant gehaltsabhängige Treibstoff-Besteuerung

Sinnvolle Zukunftsprognosen

Was sollte das Ziel einer umweltorientierten staatlichen Steuerung bei der Treibstoffpolitik sein? Sicher müssen bei gewachsenen Strukturen anstehende Änderungen sensibel vermittelt werden. Man bemüht sich heute vor allem, den Ausstoß des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid zu verringern. Insofern war der Ansatz der EU, Fahrzeuge nach ihrem CO2-Ausstoß zu besteuern nur zu begrüßen.

Dagegen waren die Erklärungen nicht zu vermitteln, welche Vorteile der nun verdoppelte Zusatz von Bioethanol wirklichen bringen sollte. Es werden weiterhin so genannte SUV-Autos beworben, ebenso ist der Trend zu energieaufwändigen Zusatz-Ausstattungen nicht gebremst worden. Offensichtlich ist der Treibstoff noch immer zu billig beziehungsweise der Sprit-Preis nur für die einfache Bevölkerung eine immer größere Belastung. Aber genau diese sind momentan die Leidtragenden wegen ihrer Sorge um ihr meist einziges, aber daher notwendiges Fortbewegungsmittel.

Anzeigetafel der Erdgas-Tankstelle vor der Umstellung auf E 10. Der angezeigte Erdgaspreis entspricht etwa 1,5 Liter Super bzw. ca. 1,3 Liter Diesel. (©Smartmedia PresSservice)

Der aktuelle Höhenflug bei den Superbenzin- und Diesel-Preisen lässt inzwischen jedoch mehr Leute über Alternativen nachdenken; nur ist die Anschaffung eines neuen Autos nicht für jeden einfach zu verwirklichen. Dennoch sollte klar betont werden, dass es eine Regierungsvorgabe aus der Zeit von Rot/Grün gibt, nämlich die deutliche Steuerbegünstigung für den Einsatz von Erdgas respektive Biogas als Treibstoffe (siehe oben). Wer sich rechtzeitig dafür entschieden hatte, muss sich zurzeit nicht über Super E10 oder die potenzielle Dieselangleichung ärgern. Selbst die CO2-Steuer muss ihn nicht beunruhigen. Wegen der stark gestiegenen Benzin- und Dieselpreise tankt er zudem mit noch größerem Vorteil (siehe Abb.1 und 2). Leider wird den Erdgasfahrern von Neidern immer wieder vorgeworfen, sie nützten ja nur die Subventionen aus, welche die anderen finanzieren müssten. Da hilft nur die Gegenfrage weiter, warum die Neider nicht selbst rechtzeitig diese Steuervorteile genutzt und sich für den Kauf eines Erdgas-Fahrzeugs entschieden haben. Wahrscheinlich waren sie zu bequem, sich auf eine neue Technologie einzustellen. Damit haben sie aber eine schnelle Verdichtung des Erdgastankstellennetzes verhindert.

Der Autor war bereits 2004 davon überzeugt, dass der Erdgasantrieb eine sinnvolle Zwischenstufe auf dem Weg zur Wasserstofftechnologie sein könnte. Er ist aber verärgert über die Ignoranz der zuständigen Politiker von Rot, Schwarz und Gelb, welche zwischenzeitlich vergessen haben, dass man 2003 (zu Zeiten von Umweltminister Trittin) einen fortschrittlichen steuerlichen Anreiz zum vermehrten Einsatz von Erdgas als Treibstoff gegeben hatte, um den CO2-Ausstoß von Kraftfahrzeugen deutlich zu reduzieren. Erdgasempfehlungen von deutschen Politikern im eigenen Land gibt es aber seitdem nicht mehr, obwohl zur Zeit der Abwrackprämie eine günstige Konstellation bestanden hätte, die Anschaffung von Erdgasneufahrzeugen zu forcieren. Dafür äußerte sich aber Bundeskanzlerin Angela Merkel kürzlich bei der Eröffnung einer von Deutschen gebauten Erdgastankstelle in Abu Dhabi folgendermaßen: "Hoffentlich fahren bald nur noch Erdgastaxen und ?busse in Abu Dhabi" und "Bei der Mobilität der Zukunft wird Erdgas eine große Rolle spielen" (zitiert nach gibgas, 25.05.2010).

In Deutschland habe ich immer auf eine solche klare Aussage von höchster Stelle gewartet, leider vergeblich. Vielleicht waren die Berater in den zuständigen Bundesministerien zu uninformiert, was nicht unmöglich erscheint, nachdem der damalige politische Staatssekretär im Umweltministerium zur Rot/Schwarzen Koalitionszeit offensichtlich nicht einmal wusste, dass Erdgas und Autogas nicht dasselbe sind; denn er behauptete auf eine gezielte Frage zur steuerlichen Angleichung von Autogas an Erdgas mit dem Brustton der Überzeugung ,,Gas ist Gas!?? Solchen uninformierten Beratern kann die einschlägige Lobby natürlich leicht ihre Zielsetzungen unterjubeln. So wurde eine historische Chance vertan, den Erdgasantrieb voranzutreiben.

Anzeige der Biogasbeimischung durch die Stadtwerke München. (©Smartmedia PresSservice)

Derzeit ist nur ein kleiner Etappensieg zu vermelden. Am 15. April 2011 wurde im Südosten Münchens am Isarcenter in Ottobrunn eine Erdgastankstelle von den Stadtwerken München mit zwei Zapfsäulen bei der Bavaria Petrol im kleinen Rahmen eröffnet. Diese Tankstelle schließt ein Versorgungsloch im Münchner Erdgas-Tankstellennetz und dient einmal der Versorgung von im Südosten ansässigen Nutzern, aber sie liegt zudem sehr günstig zur Autobahn A8, so dass sicher Durchreisende diese Tankmöglichkeit ebenfalls nutzen werden. Es ist zu hoffen, dass sich nun zahlreiche Autofahrer ernsthaft mit der Anschaffung eines Erdgasfahrzeuges beschäftigen werden, wenn sie mit der momentanen Energiepolitik der Bundesregierung nicht zufrieden sind. Allerdings sollten Sie sich gut bei unabhängigen Stellen informieren. Der Autor steht dafür ebenfalls im bescheidenen Rahmen zur Verfügung.

Leserkommentar

Gert Latzel, Mon, 23. May. 2011 - 12:45:
Leider muss der Autor das Lob zur Eröffnung einer neuen Erdgastankstelle durch die Stadtwerke München (SWM)einschränken. Die SWM liefern das Erd- und Biogas (Methan)und setzen auch den Preis pro kg fest. Unverständlicherweise haben die SWM den Preis pro kg in unverschämter Weise angehoben und sind damit wohl der teuerste Anbieter für Erdgas in Deutschland geworden. Der Autor konnte bei seiner kürzlichen Fahrt von München nach Breslau feststellen, dass z.B. zwischen der Tankstelle in Münchberg in Oberfranken und den Tankstellen der SWM ein Preisunterschied von 23 Cent pro kg besteht. Mit dieser Preispolitik kann man wohl nicht vor Ort für eine neue Treibstofftechnologie werben. Dies ist umso bedauerlicher, da München sogar einen grünen Umweltreferenten besitzt. Es ist auch schwer verständlich, dass der zweite Anbieter in München, die Aral-Tankstelle in der Schenkendorfstraße billigeres Erdgas anbietet als die SWM! Damit reihen sich die verantwortlichen Entscheidungsträger der SWM in die dominierende Phalanx der großen Gasanbieter(RWE, EON)ein, welche eigentlich keine Umstellung der bisherigen Treibstoffbereitstellung wünschen, was sie dadurch demonstrieren, dass sie in der Regel teurere Erdgastreibstoffanbieter sind als die regionalen kleineren Gasversorger, die noch nicht den Kontakt zu ihren Bürgern verloren haben. Letztere handeln wohl eher im Sinne der in ihrer Stadt wohnenden Bürger und haben mehr Verständnis für eine unbelastetere Luft in ihren Städten. Der Autor ist sehr überrascht, dass ein grüner Umweltreferent in München sich solche Eskapaden von Lobbyisten bieten lässt. Es ist nur zu hoffen, dass die Verantwortlichen der Stadtwerke München zusammen mit dem durchaus sehr beliebten Oberbürgermeister zu einer umweltfreundlicheren Energiepolitik zurückfinden werden. Man kann nicht über die hohen Belastungen z.B. in der Landshuter Allee jammern und gleichzeitig umweltfeindliche Fahrzeuge favorisieren, nur weil u.a. bayerische Fahrzeughersteller sonst rebellieren würden. Natürlich wäre sehr wichtig, dass sich viele umweltbewusste Fahrzeughalter möglichst bald für umweltfreundlichere Antriebe entscheiden würden, wozu nach Ansicht des Autors momentan nicht die Elektroautos zu zählen sind. Der Elektroantrieb wird sich erst dann durchsetzen, wenn man ausreichend Wasserstoff für den Tank eines mobilen Fahrzeugs bereitstellen kann und die Brennstoffzellentechnologieeinsetzbar ist. Bis dahin kann man schon viele Etappenziele durch einen vermehrten Einsatz von Erdgasfahrzeugen erreichen, wobei durchaus die eigenen Stadtwerke bei ihrem Fuhrpark den Vorreiter spielen sollten. Genauso sollten aber Dienstleister mit einem größeren Fahrzeugpark ebenso eine Vorreiterrolle einnehmen. Vielleicht siegt in München doch noch die Einsicht, dass man sich nicht nur für den größeren Profit eines städtischen Großbetriebes einsetzen sollte, sondern auch das Wohl der Bürger der Stadt im Focus hat.

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