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Zum 110. Geburtstag von Linus Pauling

Doppelt Nobel

Pauling als Vorbild

Für den Autor war Pauling das Idol für seine Chemiebegeisterung, nachdem er selbst an seiner Schule praktisch keinen Chemie-Pflichtunterricht absolvieren musste, obwohl der erste Schulleiter seines altehrwürdigen Gymnasiums in Coburg Andreas Libavius , der Verfasser des berühmten Lehrbuchs Alchemia vor über 400 Jahren gewesen war. Pauling hatte Wert auf anschauliche Modellbetrachtungen gelegt, die im Prinzip auch heute noch anwendbar und besser sind, als so genannte angesehene, neuere Chemie-Lehrbücher. Erst langsam lassen sich Chemie-Didaktiker davon überzeugen, dass Paulings Modell-Vorstellungen ausgezeichnete Interpretationen der molekularen Strukturen waren.

Pauling hat beeindruckend demonstriert, dass man zwar sorgfältig forschen soll, aber sich auch nicht scheuen sollte, eingefahrene, falsche Erkenntnisse zu entlarven. Bereits mit 25 Jahren kam Pauling an die Münchner Universität als "postdoctoral student" bei Arnold Sommerfeld. Dort las er u.a. eine bereits veröffentlichte Arbeit eines Mitarbeiters von Sommerfeld: "Eine Schwierigkeit mit der Theorie des Kreiselelektrons". Pauling konnte spontan die Schwierigkeiten auf fehlerhafte Annahmen des Mitarbeiters zurückführen und damit lösen. Der betreffende Mitarbeiter war nicht gerade erfreut über die Lösung, sondern leider sehr "disappointed". Solche Erfahrungen musste Pauling leider noch öfters machen. Es ist immer wieder schwer, die Überlegenheit eines anderen zu akzeptieren. Ansonsten hat Pauling viele wertvolle Anstöße für seine eigenen Forschungen aus München und Europa mitgenommen, wo sich die Prominenz der Quantenphysik und Quantenchemie tummelte, wie Schrödinger, Bohr, Heisenberg und Jordan.

Linus Pauling und Hans Kuhn im Gespräch. (Bild: Institut für den Wiss. Film)

Pauling hat 1984 bei Filmaufnahmen in Göttingen auf die Frage seines Interviewpartners Hans Kuhn, was er jungen Chemikern empfehlen würde, geantwortet: "Be bold", was bedeutet, sei selbstbewusst, wenn Du nicht leichtfertig zu anderen Erkenntnissen gekommen bist. [Aus dem Sonderdruck: G. Latzel, Linus Pauling on his Life for Science and Peace. Institut für den Wiss. Film (IWF) Film G 225, Göttingen 1994] Dies wäre erstrebenswert, ist aber leider nicht allgemein verbreitet. Pauling hätte sicher auch die neueste Stellungnahme hoch angesehener deutscher Umweltexperten erfreut, welche der Energiepolitik in Deutschland offen vorwerfen: "Ambitioniert, aber untauglich". [Quelle: Ambitioniert, aber untauglich. SZ Nr. 41, S.22 vom 19./20.02.2011] Ein sehr prominenter Kritiker in diesem Kreis ist Hartmut Grassl, der lange Jahre engagierter Berater auf diesem Gebiet für die Bundesregierung war. Dies ist eine ähnliche Ohrfeige für die deutsche Regierung, wie sie Pauling der Waffenpolitik in den USA am Ende und nach dem zweiten Weltkrieg erteilt hatte, weil ihn z.B. seine wissenschaftlichen Erkenntnisse über die verheerenden Folgen der Kernwaffen nicht ruhen ließen.

Dieses Engagement für die Begrenzung der Kernwaffenversuche in der Atmosphäre brachten Pauling zwar seinen zweiten Nobelpreis, aber auch viele erniedrigende und unwürdige Behinderungen bei seinen wissenschaftlichen Tätigkeiten ein. So wurde er in seinem sich so demokratisch gebenden Heimatland vom Mc Carthy-Ausschuss verfolgt und als Kommunist eingestuft, der er niemals war. Er war als zweifelnder Naturwissenschaftler Atheist, trat aber der unitarischen Kirche bei, weil er dort zahlreiche Gemeinsamkeiten bei der Sorge um das Wohlergehen der Menschheit gefunden hatte.

Pauling war noch während des 2. Weltkriegs von J.R. Oppenheimer eingeladen worden, bei der Entwicklung der Atombombe in Los Alamos als Chemiker mitzuarbeiten. Er lehnte aber dankend ab, da er Wichtigeres zu tun habe. In Wirklichkeit hatte er schon damals seinen Argwohn gegen diese neuen Bomben entwickelt. Die Mitläufer Oppenheimers reizte jedoch die Herausforderung des Neuen ohne an die Folgen für die Menschheit zu denken. Pauling entschied sich für das Wohl der Menschheit. Er war überzeugt, dass nicht alles Machbare auch moralisch erlaubt sei.

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