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Zum 110. Geburtstag von Linus Pauling

Doppelt Nobel

Pauling und die gesunde Lebensweise

Ein anderer Dissens mit den herkömmlichen Lehrauffassungen war sein Engagement für die Verwendung von Vitamin C zur Vorbeugung und zur Linderung von einigen Krankheiten. Die Schlagzeilen dazu lauteten u.a. "Der Vitaminpapst" [K. Podak, Der Vitaminpapst aus Palo Alto. Stress, Rauchen und Ernährungsfehler beschleunigen nach Ansicht von Linus Pauling den Altersprozess. SZ Nr. 236 vom 12.10.1993]. Er hat sich aber von Anfeindungen nicht beirren lassen und jeden Tag hohe Dosen an Vitamin C zu sich genommen und so möglicherweise trotz Prostatakrebs knapp 94 Lebensjahre erreicht. Seine bekannten Bücher dazu heißen "Vitamin C and the Common Cold" und "Cancer and Vitamin C". Die klassische Medizin berief sich darauf , welche Vitamin C-Mengen lebensnotwendig seien, Pauling sah aber im Vitamin C auch eine Substanz, welche aggressive Bestandteile (z.B. Radikale) im Körper unschädlich machen kann und berechnete die theoretisch zu erwartende Vitamin-C-Menge, welche ein der Spezies homo sapiens verloren gegangenes Gen voraussichtlich im menschlichen Körper erzeugen würde. Somit kam er auf die tägliche Zufuhr von 12 bis 18 Gramm. Man sollte jedoch sagen, dass diese Menge nicht jeder menschliche Verdauungstrakt aushält. Es gibt aber Wege, verträglichere Vitamin-C-Darreichungen zu geben.

Der Autor hat bei der Erstellung eines Unterrichts-Films zum Thema Krebs bei Recherchen im Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg bereits im Jahr 1975 erfahren, dass in Deutschland Vitamin C zur Therapie von Krebs von der klassischen Medizin abgelehnt wird; daher gehe man mit einschlägigen Studien nach Frankreich. Inzwischen ist der Einsatz der Vitamin-C-Therapie in der deutschen Schulmedizin angekommen. Klaus Podak hat dies mit einem Zitat von René Dubos, einem Mikrobiologen, der später in den USA sehr fortschrittliche ökologische Thesen publiziert hat, z.B. "Think Globally, Act Locally" oder "Das ökologische Bewusstsein sollte im eigenen Zuhause beginnen". Dubos ist zufällig nur 8 Tage vor Pauling geboren und genau 82 Jahre später an seinem Geburtstag gestorben. Von ihm stammt die Aussage: "Der Rest der Wissenschaftler trifft sich fast immer mit Pauling ? aber erst zwanzig Jahre später." Wie könnte man treffender den Ausnahmemenschen Pauling charakterisieren!

Das deutsche "fast" im Zitat spricht Pauling selbstkritisch 1984 im Schlusswort des IWF-Films ohne Bezug auf das genannte Dubos-Zitat an: "Man hat betont, dass sich einige Veröffentlichungen von mir als unwahr herausgestellt hätten. Aber einige von Ihnen waren wirklich wahr." [Aus dem Sonderdruck: G. Latzel, Linus Pauling on his Life for Science and Peace. Institut für den Wiss. Film (IWF) Film G 225, Göttingen 1994] Der darauf folgende Schlusssatz in diesem Film beweist, dass Pauling an seinem Leben nicht so sehr die in seinen Weg geworfenen Steine bedauert, sondern sich darüber freut, was er als ingeniöser Wissenschaftler erleben durfte: "Es war großartig in dieser Zeit auf der Welt gelebt zu habe, wo sich die Wissenschaft so entwickelt hat, wie sie es hat. Wir haben heute so viel mehr Einsichten in das Gefüge unserer Welt als 50, 60, 70 Jahre zuvor, just als ich meine Beschäftigung mit der Chemie begonnen habe. Nicht an der Universität, sondern als ich begonnen habe, chemische Reaktionen selber durchzuführen, gerade vor 70 Jahren."

Linus Pauling mit seiner typischen Baskenmütze mit Hans Kuhn, der postdoctoral student bei Linus Pauling war als dieser an der Aufdeckung der Eiweißstrukturen arbeitete. (Bild: Gerd Latzel)

Genau aus dieser Zeit berichtet sein Jugendfreund und Studienkollege Paul Emmett, wie sich Paulings Interesse an der Chemie "befeuert" hatte: "... als Linus ein chemisches Laboratorium mit der Unterstützung von Verwandten und deren Freunden zu Hause eingerichtet hatte, stellte er gelegentlich explosive Chemikalien her, ging hinaus und deponierte diese so auf den Fahrbahnen, dass vorbeifahrende Autos diese zur Explosion brachten."

Emmett berichtet dann von der gemeinsamen Schulzeit, wo Pauling sehr schnell durch seine hervorragenden Fähigkeiten und Kenntnisse aufgefallen war, was ihm dann mit 18 Jahren bereits den Job einbrachte, Kurse an seinem College zu leiten; zugleich war sein Arbeitsplatz in der Bibliothek, wodurch er unmittelbaren Zugang zur modernsten Fachliteratur hatte. Dies war eine ausgezeichnete Startposition für seine weitere Karriere. In seinem ersten Kurs lernte er zudem seine Frau Ava Helen Miller kennen, die ihn ihr Leben lang begleitet und mitgeformt hat. Somit hat er auf Grund seiner umfangreicheren Einblicke als Wissenschaftler sich immer für eine menschenachtende Gesellschaft eingesetzt, statt eine menschenächtende zu unterstützen.

Das Dilemma Amerikas

Es gäbe noch vieles über Pauling zu berichten, weitere Highlights, aber auch Irrungen. Zum Abschluss sei noch die fast unglaubliche Friedensnobelpreisverleihung im Jahr 1963 angesprochen. In Oslo wurden Pauling und seine Familie weder von einem amerikanischen Politiker begleitet, noch fand der übliche offizielle Empfang in der Botschaft statt. Pauling konnte sich sogar glücklich schätzen, dass er nicht im Gefängnis bzw. Hausarrest landete, wie Aung San Sun Kyi aus Myanmar (Birma), der 1991 der Nobelpreis zuerkannt worden war. Seitdem wird sie wegen ihres friedlichen Widerstands gegen das autoritäre Regime massiv schikaniert oder wie Liu Xiaobo, dem Nobelpreisträger 2010, der wegen seiner Aufrufe zu friedlichem Widerstand gegen die autoritäre Regierung in China im Gefängnis sitzt und dessen Frau unter Hausarrest steht. Die Proteste vieler westlicher Länder werden sehr harmlos vorgetragen. Das Dilemma Amerikas besteht u.a. darin, dass ein Staat, der selber so gehandelt hat, sich schwer tut, ähnliche Demütigungen anderer Staaten anzuprangern.

Weiterführende Literatur:

  • J.D. Watson, Die Doppel-Helix. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1969
  • Sonderdruck: G. Latzel, Linus Pauling on his Life for Science and Peace. Institut für den Wiss. Film (IWF) Film G 225, Göttingen 1994
  • Ambitioniert, aber untauglich. SZ Nr. 41, S.22 vom 19./20.02.2011
  • K. Podak, Der Vitaminpapst aus Palo Alto. Streß, Rauchen und Ernährungsfehler beschleunigen nach Ansicht von Linus Pauling den Altersprozess. SZ Nr. 236 vom 12.10.1993
  • M. Urban, Wie man länger und besser lebt. Linus Pauling zum 85. Geburtstag. SZ vom 28.02.1986
  • http://www.personenlexikon.net/d/linus-pauling/linus-pauling.htm
  • http://nobelprize.org/nobel_prizes/peace/laureates/1962/pauling-bio.html
  • G. Latzel, Eine Begegnung mit Linus Pauling ? Gedanken zu seinem 80. Geburtstag. PdN-Chemie 30, Heft 2, S.58 (1981)

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