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02. 06. 2011
Manfred Berger, Nina Eichinger, Arno Kral, Heinz Kreft,
Tom's Networking Guide

Report Payment-Kongress Frankfurt/Main 2011

Digitales Bargeld? Fehlanzeige!

Am 25. und 26. Mai 2011 hatten Payment-Spezialisten zusammen gefunden, um sich über die Realisierung, die Marktdurchdringung und die Anwendung elektronischer Bezahlsysteme für neue Internet-Dienste sowie deren staatliche Regulierung durch EU und BaFin auszutauschen. Digital gibt es fast alles ? nur kein Bargeld.
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Payment-Kongress 2011

Zwei Tage rund um Zahlsysteme und Zahlungsprozesse erwarteten die Teilnehmer des Payment-Kongress 2011 am 25. und 26. Mai 2011 in Frankfurt/Main. (Bild: Deutsche Kongress)

Mit leichter Verzögerung, den Verkehrswirren des neuesten Vulkanausbruchs geschuldet, eröffnete Bernhard Klier, Geschäftsführer des Veranstalters Deutsche Kongress, am 25. Mai 2011 den Kongresstag der Payment 2011. Zuvor hatte im Foyer bereits Masoud Kamali, Präsident und CEO des Support & Software Media GmbH, die ersten Gäste des Payment-Kongress 2011, mit breitem Lächeln begrüßt, denn das Timing hätte nicht besser sein können: Denn just am Starttag des Kongresses hatte die Firma Google ihr lange erwartetes Smartphone-basiertes Bezahlsystem "Google Wallet" an die Öffentlichkeit gebracht und so den verschiedenen Branchen aus Handel, Transport und Dienstleistung die Notwendigkeit aufgezeigt, sich in Richtung elektronisches Bezahlen weiter zu entwickeln. Denn noch dominiert Bargeld die Welt: Allein in der Europäischen Union werden von den rund 470 Milliarden Bezahlvorgängen am Point of Sales immer noch 85 Prozent mit Bargeld abgewickelt (wobei ein deutliche Süd-Nord-Gefälle zu vermerken ist), wovon das Gros einen Wert von unter 28 ? hat. Für solche "Peanuts" aber hat die Branche keine adäquate Lösung anzubieten, denn Bargeld lässt sich mit bestehenden Mitteln nicht elektronisch transportieren, was einen unglaublichen Verhau an kontobasierten Ersatz-Lösungen nach sich gezogen hat, sei es die Kredit-Methode Master/Visa oder die Schattenkonten-Methoden EC-Karte/Geld-Karte. Selbst der am schnellsten wachsende Payment-Anbieter Paypal kommt nicht ohne das Konto-Prinzip und Kreditkarten-Deckung aus. Und so dreht sich die ePayment-Welt immer schneller um das gute Siebtel und ärgert sich über renitente Deutsche, die auf Zahlung per Rechnung bestehen oder das Bezahlen per Nachnahme jedem elektronischen System vorziehen ? außer DHL, die mit Nachnahme-Services noch immer richtig Asche macht.

Achim Himmelreich, Fachgruppenvorsitzender E-Commerce, BVDW ? Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. (©Smartmedia PresSservice)

Eröffnet hatte den Payment-Kongress 22011 Achim Himmelreich, Fachgruppenvorsitzender E-Commerce, BVDW ? Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. Sein Credo lautete: "Wenn eCommece mobil wird, muss auch das Bezahlen mobil werden." Himmelreich wusste zu berichten, dass die Otto-Gruppe bereits mehr als die Hälfte elektronisch umsetzen würde und identifizierte als nächsten Midmarket (Investment Banking Dienstleistungen, vornehmlich solche, die das M&A-Geschäft betreffen, speziell für mittelständische Unternehmen) die virtuellen Währungen in sozialen Netzwerken. "Wenn in zwei Jahren die ersten eWallets da sein werden, werden auch virtuelle Währungen eintauschbar kompatibel [sein]." Ebenso attraktiv sei das Marktsegment der "Silver-Sufer", jener Internet-Nutzer also, die das 50. Lebensjahr überschritten hätten, im Marketing-Jargon als "Best Ager" bezeichnet werden und über hohe Kaufkraft verfügen. Laut Wikipedia gibt es in Deutschland knapp sieben Millionen Silver Surfer, von denen 4,2 Millionen zwischen 50 und 59 Jahre alt seien, 2,5 Millionen zwischen 60 und 69 Lenze zählen und nur 400.000 über 70 seien.

Die Moderation des "Fachforum A ? Payment im Online-Handel" hatte Robert Herzig, Head of POS Clearing Financial Services, Metro AG übernommen. Seine Keynote Metro Future Store ? Payment Trends und die Zukunft des Bezahlens im Handel, aus Sicht vieler Teilnehmer die fundierteste aller Reden des Kongresses, eröffnete Herzig mit den Worten: "45 Minuten für eine Keynote zum Thema Payment sind gut, aber viereinhalb Stunden wären besser", denn ePayment sei nicht das allein Seligmachende. Der wahre Trend liege im Multi-Channel, auch wenn Smartphones ihn jetzt verstärkten. "Nur online reicht nicht", berichtete Herzig aus den Erfahrungen seines weltweit verzweigten Unternehmens, aber "nur stationär reicht auch nicht. Stattdessen ist eine intelligente Verlinkung nötig", was die neuen Trends in der Meinungsmache, Twitter und Facebook, bestätigten. Relevant für den Handel seien online publizierte Produkt-Bewertungen und Diskussions-Foren.

Service-Wüsten am Online-Pranger

Herzig zeigte als Musterbeispiel für eine intelligente Kunden-Bewertung das Youtube-Video "United Breaks Guitars", in dem das Beschwerde-Handling dieser Fluglinie mit musikalischen Mitteln an den Pranger gestellt wird. Über 10 Millionen Abrufe dieses Videos zeigen die Macht der Internet-User, die, so die Kommentare, bereits zu einer beträchtlichen Verbesserung des Kunden-Services bei United Airlines geführt hätten. Wer seine Hausaufgaben im Bereich Kundenzufriedenheit nicht mache, für den sei auch Paypal "nichts Neues", denn dieses Bezahlsystem vereinfache lediglich die Handhabung, wie auch Giropay. Auf die Frage, welches System sich durchsetze, lautet Herzigs Antwort schlicht: "Ich fürchte, wir werden die Zukunft nicht voraussehen". Das zeigten die Erfahrungen aus den 2131 Standorten in 32 Ländern, von denen auf Metro Cash&Carry 687, Real 429, Media Markt/Saturn 877 und Galeria Kaufhof 138 entfallen.

Ein überdachter Parkplatz ist wichtiger als ein Fingerabdruck-Leser

Anschließend berichtete Herzig von den Erkenntnisse aus dem Metro-eigenen "Future Store", einem umgebauten Real-Markt, der auf Initiative der Firmen SAP, Intel, IBM, T-Systems, Cisco Systems, Fujitsu Services sowie weiterer 85 Partnern entstanden sei. "Ein überdachter Parkplatz ist den Kunden wichtiger als ein Fingerabdruck-Leser", so Herzig, und beim Einkauf käme es nicht auf das Bezahlsystem an, sondern auf Frische, Frische und Frische. "Die Schlacht im Handel wird nicht an der Kasse gewonnen sondern in der Fläche.", so Herzig. Dennoch teste man einen neuen "Mobilen Einkaufsassistenten" (MEA), der auf einem intelligenten Handy mit NFC (RFID) aber ohne neues Clearing-System Einkaufslisten erstelle, Orientierung im Markt gebe, Waren einscanne, Produkt-Informationen (etwa über im Müsli enthaltene Allergene) bereit stelle und Payback-Punkte sammle. Viel interessanter fänden Kunden im Future Markt jedoch, dass die Sport-Abteilung nun mit Probier-Plätzen und einer eigenen Fahrrad-Werkstatt aufwarte. Und während die Kunden keine Zeit zum Besuch eines probehalber eingerichteten Bistros fänden, nähmen sie bereitwillig das Angebot "Kaffee-Maschine mit WLAN-Access-Point" bereitwillig an.

Mit dem "Mobilen Einkaufsassistenten" (MEA) soll das Einkaufserlebnis schon beim Erstellen der Einkaufsliste beginngen. (Bild: Metro AG)

Beim Bezahlen aber bleibt nahezu alles beim Alten: Zwar hat der Kunde die Wahlfreiheit zwischen der traditionellen Service-Kasse (Kassiererin scannt die Ware und kassiert, gleich welches Zahlungsmittel), SB-Kasse (Kunde scannt Ware selbst und bezahlt mit Karte) und SB-Schnellkasse (registrierter Kunde scannt selbst und bezahlt per Fingerabdruck). So sammelt die Metro Group Erfahrungen bei allen gängigen Bezahlsystemen:

  • Bargeld
  • Kredit- oder EC-Karte
  • Mobile / Fingerabdruck (für registrierte Kunden) und
  • künftig per Funk.

Diese Erfahrungen erstrecken sich jedoch nicht nur auf die Kunden-Akzeptanz, sondern auch auf das Markanteile: "Eineinhalb Prozent Interchance sind zu viel", beklagt Herzig und stellt fest: "Bargeld ist für Metro das günstigste Bezahlverfahren", obwohl es Kosten für Kassemachen, Zählen, Transport und Lagerung verursache. "Eine Payment-Lösung, gleich welcher Art, darf nicht mehr kosten als Bargeld", schloss Herzig seinen Vortrag.

Leserkommentar

Neo , Tue, 28. Feb. 2012 - 12:40:
Ich fand den Artikel trotzdem lesenswert und die Informationen bez. Geld und Kredit brauchbar.

fortuna-finanz.de

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