tom's networking guide
 
Anzeige

Report DAB

Digital Audio Broadcast - Technik sucht Akzeptanz

Neustart mit DAB+

Im August 2011 hat der DAB-Standard dann mit der weiterentwickelten Technik DAB+ eine zweite Chance bekommen. DAB und DAB+, sowie das in Deutschland kaum verbreitete DMB (Digital Media Broadcast), gehören zur Standard-Familie des Digital Audio Broadcasts. Die Vorteile von DAB+ zeigen sich vor allem in der gleichbleibenden Tonqualität bei einer - im Vergleich zum "alten" DAB-Standard - geringeren Sampling-Rate. Die Sendefrequenzen lassen sich deutlich besser ausnutzen, sodass mehr Kanäle auf einen Multiplex (auch Ensemble genannt) passen: Ein Multiplex besteht aus mehreren Radioprogrammen und Datendiensten und verwendet jeweils ein Frequenzband. Jeder Multiplex ist über eine eindeutige Identifikationsnummer und einen Ensemble-Namen bestimmt. Hatten bei DAB nur drei bis sechs Programme auf einem Multiplex Platz gefunden, so liegt die Kapazität der DAB+-Technik bei bis zu 15 Programmen sowie Zusatzdiensten und Datenkanälen.

Dafür sind die Audio-Codecs verantwortlich, die gleichzeitig den wichtigsten Unterscheid der beiden Techniken darstellen: Während die Entwickler für DAB den MPEG-1-Layer-II-Codec der Moving Picture Experts Group (MPEG) verwendet haben, der Programme mit 128 bis 192 kBit pro Sekunde zulässt, verwenden sie für DAB+ einen Codec der neueren MPEG-4-Familie, den Advanced-Audio-High-Efficency-Codec (AAC HE v2) oder einfach AAC, der die Bitrate der Programme jeweils um die Hälfte halbiert. DAB+ ist generell abwärtskompatibel zum DAB-Standard; umgekehrt unterstützen ältere DAB-Empfänger den AAC-Codec jedoch nicht.

Für die Fehlerkorrektur kommen bei der Übertragung fünf definierte Protection Level (PL) zum Einsatz. Da die Bandbreite endlich ist gilt: Je höher der Signalschutz ist, desto weniger Platz bleibt für die Programm-Übertragung. Um die Störsicherheit zusätzlich zu erhöhen, verwendet DAB+ das Modulations-Verfahren Coded Orthogonal Frequency Division Multiplexing (COFDM), das gleichfalls beim Digital-Fernsehen DVB-T zum Einsatz kommt. Dieses Verfahren teilt die Informationen auf eine Vielzahl von Unterträgern in einem Frequenzblock auf und erreicht damit eine hohe Sicherheit gegenüber Störquellen. Hinzu kommt, dass die Sender als Gleichwellennetz funken, die synchron zueinander auf derselben Frequenz die gleichen Informationen ausstrahlen.

Auf einen der Kanäle 5 bis 12 im VHF-Band III passen jeweils vier Blöcke: Jeder Kanal ist 7 MHz breit und bietet vier Blöcke mit einer Nutzbandbreite von 1,536 MHz. (Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Audio_Broadcasting)

Sendefrequenzen für DAB+

Grundsätzlich nutzt DAB+ das Very-High-Frequency-Band I (47-68 MHz), Band III und Teile des L-Bandes (1452 MHz bis 1492 MHz). Das L-Band war ursprünglich mit neun Kanälen für den regionalen Empfang ausgelegt, wird mittlerweile jedoch nur noch von einigen Sendern (vor allem in Italien) verwendet. Der Frequenzbereich im VHF-Band-III (174-230 MHz) ist in Deutschland für den digitalen Radioempfang auf den Kanälen 5A bis 12D reserviert. Jeder der Kanäle ist sieben MHz breit und in vier Blöcke mit einer Nutzbandbreite von 1,536 MHz unterteilt.

Die Sendenetze lassen sich in den für DAB zugelassenen Frequenz-Bereichen mit Hilfe von vier standardisierten Modi konfigurieren: Das nationale DAB+-Netz verwendet den Mode I. Mode II ist für das L-Band vorgesehen und Mode III für die Satelliten-Übertragung. Modus IV hingegen ist ein Mittelweg zwischen dem Mode I und Mode II.

  • Mode I: Übertragung im VHF-Bereich (Band III - Kanal 12). Dieser Modus ermöglicht ungestörten Empfang sogar bei Geschwindigkeiten von bis ca. 240 km/h.
  • Mode II: Übertragung im Bereich bis 1,5 GHz. Die Anzahl der Unterträger ist in diesem Modus kleiner und der Trägerabstand größer. Außerdem ist das Schutzintervall kürzer als in Mode I. Mode II ist optimal für kleine Gleichwellennetze, insbesondere für lokale L-Band Ensembles.
  • Mode III: Übertragung über Satellit bei Frequenzen bis 3 GHz. Kurze Symboldauer und kurzes Schutzintervall zeichnen diesen Modus aus.
  • Mode IV: Kompromiss aus Mode I und Mode II mit speziellen Definitionen.

(Quelle: http://www.digiradio.ch/dab/dababc/glossar/index.html)

Leserkommentar

Hans-Jürgen Mauser, Fri, 29. Aug. 2014 - 13:06:
Dieses Verfahren ist der größte Müll, den der Rundfunk je gesehen hat - ich bin ein erbitterter Gegner davon und klarer Befürworter der UKW-Technik! Dieser Artikel hier ist auch mal wieder reinstes Marketing-Geschwurbel.

Folgende Punkte kontra "DAB" in jeder Form und pro UKW:

- die deutlich hörbaren Klangartefakte sind eine Zumutung, das habe ich im unbewußten Selbstversuch bei einem Hifi-Händler beim Kauf von Lautsprechern festgestellt. Ich bat ihn, Radio als Signalquelle einzustellen, und dann war etwas seltsames zu hören, diese breiigen Klangverfärbungen, wie sie typisch für MP3-Dateien mit bis zu 128 kbit/s sind. Ich sagte, das kann doch nicht Radio sein, das ist schlechter! Er sagte, oh, da habe ich versehentlich auf dieses DAB gestellt, ein Rohrkrepierer, der sich hoffentlich bald wieder erledigt. Er stellte um auf UKW - und siehe da, bester Klang! "Natürlich" mit einem leisen Rauschen bei hohen Pegeln und nicht so gutem Empfang - aber ein leises Rauschen ist eine natürlichere "Störung" als Kompressionsartefakte.

- UKW-Rundfunk funktioniert seit Jahrzehnten, es besteht freie Gerätewahl egal ob modernst oder historisch. Jedes einzelne Radio kann sinnvoll eingesetzt werden, Radiogeräte sind ubiquitär verfügbar und sichern einen Informationsausberitungsweg, der im Zweifelsfall auch krisen- und notfalltauglich ist.

- UKW-Technik ist grundsätzlich patent- und lizenzfrei und kann mit elektronischer Fachkenntnis repariert oder gar mit gut verfügbaren Bauteilen selbstgebaut werden, datenreduktionsverfahrenbehaftete Technik mit Spezial-Chips dagegen nicht

- ein analoger Übertragungsweg ist im Rahmen seiner Bandbreite beeinflussungsneutral, ein komprimierender Übertragungsweg hängt an seinem Kompressionsverfahren und kann nicht nachträglich verbessert werden

- desweiteren ist eine Hörbarkeit und Verständlichkeit mit Rauschen immer noch besser als eine Stummschaltung, weil der Datenmüll nicht mehr rekonstruiert werden kann

- UKW ist das letzte noch verfügbare Echtzeitmedium! Nur die Lichtgeschwindigkeit begrenzt die Schnelligkeit, z.B. kommt das Fußballtor per UKW weit vor jedem Fernsehbild - und ohne UKW bzw. Analogfunk wird es kein verläßliches Zeitzeichen zur vollen Stunde mehr geben

- dem vorgenannte Sachverhalt ist auch geschuldet, daß nur UKW noch eine Gleichzeitigkeit der Signale beim raumübergreifenden Betrieb mehrererer Radios gewährleistet - eben Echtzeit. Jedes komprimierende Verfahren muß puffern und hat Latenzen, die implementierungsabhängig sind, so daß keine zwei Geräte dieselbe Signallaufzeit sicherstellen können

- ein Teil der beworbenen Zusatzdienste ist längst über RDS verfügbar, z.B. Titel- und Interpreteninfo, Uhrzeit, Nachrichten, Wetter je nach Sender! Man braucht aber ein Gerät mit voller RDS-Tauglichkeit, insbesondere mit dem Merkmal "Radiotext". Und RDS ist abwärtskompatibel zu jedem Gerät auch ohne RDS.

- DAB ist der Einstieg in Wegwerftechnik auch im Hörrundfunk, und das bereits heute: Geräte ohne das "Plus" sind in Deutschland nur noch für UKW benutzbar, sofern es mit eingebaut ist. Ökologie und Nachhaltigkeit sind bei DAB in keiner Weise dabei, das Argument der Sendeleistungen zählt nicht, da z.B. durch erneuerbare Energien diese nicht wehtut, Elektronikmüll dagegen schon

- im Gegensatz zum DVB-T-Zwang beim Fernsehen sind Radiogeräte in viel hörerer Stückzahl verbreitet und sowohl stationär wie mobil im Einsatz, so daß (hoffentlich) der öffentliche Gegendruck bei einer drohenden UKW-Abschaltung viel höher ausfällt als beim TV.

- im Gegensatz zu zu echtem "hereinholendem" Empfang bei UKW, der auch mal über Landesgrenzen möglich ist, ist DAB mehr ein "Hineinpushen" in die Geräte: es kommt nur an, was dafür gedacht ist, keine Möglichkeit des "Wellenreitens" oder irgendwelcher positiver Überraschungen beim Empfang, ungewöhnliche oder weiter entfernte Sender zu hören. Man könnte soweit gehen, es als einen Eingriff in die Informationsfreiheit zu deuten.

- wenn ich datenreduzierte Audioströme hören möchte, kann ich gleich Internetradio bemühen - dank Mobilfunk auch unterwegs. Und mit Internet habe ich keine Wegwerf-Hardware, denn z.B. jeder Laptop der letzten 15 Jahre kann jede Audioqualität wiedergeben. Und die "Zusatzdienste" sind hier unbegrenzt und voll interaktiv.


Vielleicht kann ich ja den einen oder anderen zum Nachdenken anregen mit meinen Gedanken, auch wenn diese jetzt teilweise sehr stark emotional untermalt sind - aber das kann ich trotz meiner sonstigen Sachlichkeit bei diesem Thema nicht ändern.

Ich hoffe, daß es die Möglichkeit geben wird, gegen einen UKW-Abschaltzwang vorzugehen, z.B. durch Bürgerinitiativen.

Es gibt ja immerhin bereits eine Internetseite zum Thema "analoges Radio retten", einfach mal mit einer Suchmaschine der Wahl schauen (selber habe ich mit der Seite nichts zu tun).

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*





*
*
Rubriken
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Mehr zum Thema
Report TELI ? energiesparende Prozessor-Technik
Intels neue Server-Architektur amortisiert sich schon binnen Jahresfrist oder gar noch schneller. Und das nicht nur, weil sie mehr leistet: Moderne Prozessor-Technik spart Arbeit, Platz und Energie. [mehr]
Report TELI "Kaltes Licht schont Umwelt und Geldbeutel"
Glühlampen droht der gesetzliche Bann. Sogenannte Energiesparlampen sind allerdings nicht unproblematisch. Ob und wie es mit LED-Licht besser geht, klärte ein TELI-Expertengespräch, in dem Sharp über den aktuellen Stand der Technik informierte. [mehr]
Das Universum in einer Schachtel
Das Universum soll vor allem aus "Dunkler Materie" bestehen. Sehen kann man sie allerdings nicht, nur auf Hochleistungsrechnern simulieren. Passen die Simulationen zur sichtbaren Welt? [mehr]
Display-Technik-Trends im HD-Zeitalter
TV-Bildschirme werden immer größer und flacher. Wie die Broadcaster die neue Technik sehen, erläuterte Dipl.-Ing. Gierlinger vom IRT im Rahmen eine TELI-Veranstaltung [mehr]
Nobelpreistraegertreffen in Lindau 2008
Sieben Nobelpreisträger ? sieben Meinungen. Aus aller Welt zum 58. Treffen wissenschaftlichen Elite angereiste Jungforscher konnten sich aussuchen, was sie am meisten interessiert. Hoch im Kurs: Nobelpreisträger anfassen und mit ihnen reden. [mehr]
Anzeige